Japanische Forscher haben mit einer aktuellen Studie für alle, die glauben, dass kleine Mengen Alkohol dem Herzen nicht schaden, ein wichtiges Gegenargument geliefert. Es unterstützt zugleich all jene, die der Gesundheit zuliebe, zum Beispiel im Januar bewusst auf Alkohol verzichten – Stichwort „Dry January“.
Die Forscher analysierten Daten von fast 60.000 Erwachsenen, die über rund zwölf Jahre hinweg zu zweimal jährlichen Gesundheitsuntersuchungen in ein japanisches Präventionszentrum gekommen waren. Insgesamt lag dadurch ein großer Datensatz von über 360.00 Gesundheitsuntersuchungen vor.
Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei der Auswertung vor allem auf Menschen mit leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum – also maximal 1 Getränk pro Tag bei Frauen und maximal 2 Getränke pro Tag bei Männern (1 Getränk = 10 g Alkohol). Sie schauten nach Unterschieden bei Männern und Frauen, den Effekten eines Alkoholverzichts, bzw. eines Neubeginns von Alkoholkonsum auf den Blutdruck und nach den Auswirkungen verschiedener Alkoholika.
Jedes Glas weniger Alkohol zählt
Die Auswertung der Daten bestätigte, dass Alkoholverzicht eine wirksame Strategie zur Blutdruckkontrolle ist – auch bei Menschen mit nur geringem Konsum. Die wichtigsten Ergebnisse:
- Frauen, die täglich etwa 1 bis 2 Gläser tranken und dann aufhörten, senkten ihren Blutdruck im Durchschnitt um etwa 0,8 mmHg systolisch und bis 1,14 mmHg diastolisch.
- Männer, die bei ähnlicher Alkoholmenge aufhörten, konnten ihren systolischen Blutdruckwert um etwa 1 mmHG senken und den diastolischen Wert um 1,6 mmHg.
Auch bei geringerem Alkoholkonsum (ein halbes bis ein Glas) hatte der Verzicht bei Männern wie Frauen einen blutdrucksenkenden Effekt, wenngleich nicht so deutlich.
Teilnehmer – Männer wie Frauen –, die zuvor keinen Alkohol getrunken hatten und damit anfingen, erlebten einen Anstieg ihres Blutdrucks. Jedes zusätzliche Glas Alkohol pro Tag erhöhte den Blutdruck im Schnitt um etwa 1 mmHg.
Bei Frauen zeigte die Analyse dabei einen allmählichen und nahezu linearen Anstieg des systolischen Blutdrucks über alle Konsumstufen hinweg. Bei Männern gab es bei niedrigerem Konsum zunächst einen stärkeren Anstieg des systolischen Wertes, der dann bei höherer Aufnahme ein Plateau erreichte. Trotz dieser biologischen Unterschiede deuten die Befunde darauf hin, dass die Blutdruckeffekte des Alkoholkonsums zwischen den Geschlechtern insgesamt relativ ähnlich sind.
Die Art des Getränks spielte in der Studie keine Rolle. Entscheidend für den Blutdruck war allein die Menge an reinem Alkohol, die konsumiert wurde.
Schlussfolgerung
Die Studie zeigt deutlich: Für den Blutdruck gibt es keine „gesunde“ Mindestmenge an Alkohol. Wer weniger trinkt oder ganz aufhört, tut seinem Herz-Kreislauf-System unmittelbar etwas Gutes.
Kleine Einschränkung: Die Studie basiert auf Beobachtungen und kann daher keinen eindeutigen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen. Der Alkoholkonsum wurde zudem von den Teilnehmenden selbst angegeben, was Ungenauigkeiten enthalten kann.
- Blood Pressure After Changes in Light-to-Moderate Alcohol Consumption in Women and Men; Oktober 2025; https://www.jacc.org/doi/10.1016/j.jacc.2025.09.018
Experte
- 60323 Frankfurt am Main
- info@herzstiftung.de
- www.herzzentrum-an-der-alster.de
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
Unser Informationsmaterial
Bluthochdruck: Herz und Gefäße schützen