Mit dem Alter lässt häufig auch der Geruchssinn nach. Dennoch kann dies auch ein Hinweis auf eine chronische Erkrankung sein. Für neurologische Erkrankungen wie Parkinson und Demenz ist das schon länger bekannt. Doch offenbar gilt das auch für eine Erkrankungen des Herzens.
Frühere Untersuchungen haben einen solchen Zusammenhang bereits für Herzschwäche und eine allgemein reduzierte Lebenserwartung ergeben. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie ergab nun auch Hinweise, dass ein nachlassender Geruchssinn mit einem erhöhten Risiko einer koronaren Herzkrankheit bzw. für koronare Ereignisse wie einen Herzinfarkt einhergeht.
Für diese Studie haben sich die Forschenden die Daten von mehr als 5000 älteren Menschen (Durchschnittsalter 75 Jahr) angeschaut, bei denen es zu zunächst keinen Hinweis für das Vorliegen einer koronaren Herzkrankheit gab. Alle Probanden hatten sich auch einem einfachen Test auf ihren Geruchssinn unterzogen. Das Ergebnis wurde dabei als gut, mäßig (eingeschränkt) oder ungenügend klassifiziert.
Schlechter Geruchssinn mit höherem Herzrisiko verbunden
In der nachfolgenden Beobachtungszeit von rund zehn Jahren kam es zu insgesamt 280 koronaren Ereignissen (5,4 %). Es zeigte sich dabei, dass jene Teilnehmer mit einem schlechten Geruchssinn ein deutlich höheres Risiko hatten, eine Herzkrankheit zu entwickeln, als diejenigen mit einer "guten Nase".
Besonders in den ersten vier Jahren nach dem Riechtest war der Zusammenhang stark: Das Risiko für ein Herzereignis war in dieser Phase bei schlechtem Geruchssinn etwa doppelt so hoch im Vergleich zu Personen mit eingeschränktem oder ungenügendem Geruchssinn. Mit der Zeit schwächte sich dieser Effekt etwas ab, nach etwa neun Jahren konnte keine Abhängigkeit zwischen eingeschränktem Geruchssinn und der Häufigkeit koronarer Ereignisse mehr nachgewiesen werden.
Schlussfolgerung
Ein nachlassender Geruchssinn im Alter wird oft als "normal" abgetan oder nur mit neurologischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Studie legt nahe, dass die Nase auch ein Fenster zur Herzgesundheit sein kann. Wenn Sie bemerken, dass Ihr Geruchssinn deutlich nachlässt, könnte dies ein Anlass sein, nicht nur zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt zu gehen, sondern auch präventiv Ihre Herz-Kreislauf-Gesundheit bei Ihrem Hausarzt oder Kardiologen überprüfen zu lassen.
- Olfaction and Coronary Heart Disease; JAMA Otolaryngol Head Neck Surg; Oktober 2025; doi: 10.1001/jamaoto.2025.3740
Experte
- 60323 Frankfurt am Main
- info@herzstiftung.de
- www.herzzentrum-an-der-alster.de
Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.