Grob haben Sie bestimmt schon gehört, dass psychische Belastungen das Entstehen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen und umgekehrt ein Herzleiden wiederum die Psyche belastet. Doch die Wissenschaft ist hier schon viel weiter in dem Wissen, was genau in unserem Körper und Geist passiert – teils auch unterschiedlich bei Männern und Frauen. Um aktuelle Erkenntnisse und praktische Konsequenzen daraus dreht sich das Gespräch mit Privatdozentin Dr. Cora Stefanie Weber. Hören Sie rein!
Die Herz-Hirn-Achse
Viele Menschen spüren intuitiv, dass es eine Verbindung zwischen ihrer Psyche und ihrem Herz gibt. Die Wissenschaft hat inzwischen belegt, dass diese Verbindung tatsächlich real ist. Über den Nervus vagus, unseren 10. Hirnnerv, werden Nervenimpulse zwischen Herz und Hirn direkt hin und her geleitet, und zwar sowohl vom Gehirn ans Herz wie auch vom Herz ans Hirn.
Ein Schreck- oder Angstmoment führt zum Beispiel sofort zu einer Herzreaktion, der Puls schießt in die Höhe. Frühe Stresserfahrungen können wiederum die Emotionsregulation im Gehirn nachhaltig beeinflussen: Neben negativen psychologischen Folgen kann dann auch das Herz-Kreislauf-System Schaden nehmen durch immer wiederkehrende starke Puls- und Blutdruckanstiege als Reaktion auf Stress. Das Herzinfarkt-Risiko steigt.
Durch körperliche Bewegung, Achtsamkeits- und Meditationsübungen, Musik, Entspannungsübungen und soziale Kontakte können wir die Herz-Hirn-Achse positiv trainieren – möglichst täglich mit Übungen, die man gerne in den Alltag integriert, z.B. ein abendlicher Spaziergang kombiniert mit einer Entspannungsübung.
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Expertin
Chefärztin der Fachabteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in der Klinik Hennigsdorf, Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin.