Regelmäßige Bewegung gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, um Bluthochdruck vorzubeugen und ihn besser in den Griff zu bekommen. Alle Leitlinien stimmen darin überein, dass die Bevölkerung Bewegungsprogramme zur Senkung des Blutdrucks und des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhalten sollte. Etliche Studien haben inzwischen auch belegt, dass Ausdauer- und Krafttraining mit moderater Intensität den Blutdruck senken.
Vielen Menschen fällt es jedoch schwer, ein entsprechendes Bewegungsprogramm umzusetzen und langfristig durchzuhalten. Forscher aus China haben deshalb untersucht, ob Baduanjin, eine sanfte Form des Qigong, eine wirksame und alltagstaugliche Alternative sein könnte. Eine vor kurzem veröffentlichte Studie liefert dafür nun interessante Hinweise.
Was wurde untersucht?
An der Studie nahmen 216 Frauen und Männer über 40 Jahren mit sogenanntem hochnormalem Blutdruck teil. Ihre systolischen Blutdruckwerte lagen zwischen 130 und 139 mmHg systolisch und/oder 85-89 mmHg diastolisch, also knapp unterhalb der Grenze zum Bluthochdruck. Das Durchschnittsalter betrug 57 Jahre.
Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip drei Gruppen zugeteilt.
Eine Gruppe übte regelmäßig Baduanjin (zweimal täglich an mindestens fünf Wochentagen).
In den beiden Kontrollgruppen sollten die Teilnehmer nach den allgemeinen Empfehlungen mindestens 150 Minuten pro Woche mit moderat bis intensiver Intensität körperlich aktiv sein. Das geschah in der einen Gruppe nach einem eigenständigen Plan, während in der anderen Gruppe zügiges Gehen für 30 Minuten pro Tag, mindestens fünfmal pro Woche absolviert wurde – als einfachste Ausdauerbewegungsform.
Die Beobachtungszeit betrug insgesamt ein Jahr.
Baduanjin zählt zu den bekanntesten Qigong-Formen. Acht Übungen verbinden langsame Bewegungen, tiefe Atmung und Konzentration. Da weder Geräte noch besondere Räumlichkeiten erforderlich sind, lässt sich die Methode nahezu überall durchführen.
Ergebnis: Der Blutdruck sank und blieb niedrig
Bereits nach drei Monaten zeigte sich in der Baduanjin-Gruppe eine stärkere Senkung des systolischen 24-Stunden-Blutdrucks als bei den Teilnehmern, die lediglich allgemeine Bewegungsempfehlungen erhalten hatten. Der Unterschied betrug rund 3 mmHg.
Noch deutlicher fiel der Effekt bei den in der Arztpraxis gemessenen Blutdruckwerten aus: Hier sank der systolische Blutdruck unter Baduanjin um etwa 5 mmHg stärker als in der Vergleichsgruppe. Im direkten Vergleich mit regelmäßigem zügigem Gehen zeigte Baduanjin eine ähnliche Wirksamkeit.
Auch nach einem Jahr blieb dieser Vorteil bestehen. Die Forscher erklären dies damit, dass die Teilnehmer offenbar die Übungen freiwillig und selbstständig fortführten.
Schlussfolgerung: Sanfte Bewegungen mit Potenzial
Sowohl die QiGong-Form Baduanjin als auch zügiges Gehen können bei Menschen mit hochnormalen Werten dazu beitragen, den Blutdruck zu senken. Der Effekt ist dabei ähnlich ausgeprägt wie bei einer Therapie mit dem ACE-Hemmer Ramipril. Besonders interessant ist das für Menschen, die eine gelenkschonende und leicht erlernbare Bewegungsform suchen.
- Effect of Baduanjin on Blood Pressure Among Individuals With High-Normal Blood Pressure. J Am Coll Cardiol. 2026; https://doi.org/10.1016/j.jacc.2026.01.014
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.