Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall: Wird ein Blutgefäß im Gehirn verschlossen, erhält ein Teil des Gehirns nicht mehr genug Sauerstoff. Dann zählt jede Minute. Je früher Betroffene behandelt werden, desto größer ist die Chance, bleibende Schäden zu vermeiden. Der BEFAST-Test hilft, typische Symptome eines Schlaganfalls schnell zu erkennen und sofort den Notruf 112 zu wählen.
Was unterscheidet den BEFAST vom FAST-Test?
Der BEFAST-Test (engl. be fast = schnell sein) ist eine Erweiterung des bekannten Schnelltests FAST um zwei weitere wichtige Schlaganfallsymptome. Ziel ist es, noch genauer und zuverlässiger als mit dem FAST-Test Menschen mit einem Schlaganfall erkennen zu können.
B = BALANCE (GLEICHGEWICHT)
Bitten Sie die betroffene Person, auf einer Linie zu gehen oder kurz auf einem Bein zu stehen. Fällt auf, dass das Gleichgewicht gestört ist, etwa durch Schwanken, eine Links- oder Rechtsneigung beim Gehen? Auch plötzlicher starker Schwindel kann ein Warnzeichen sein.
E = EYES (AUGEN)
Fragen Sie die betroffene Person, ob sie plötzlich schlechter sieht: zum Beispiel doppelt, verschwommen, eingeschränkt oder nur noch auf einem Auge. Die Ursache plötzlich auftretender Sehstörungen liegt bei einem Schlaganfall in einer gestörten Verarbeitung von visuellen Informationen im Gehirn oder einer Lähmung der Augenmuskeln. Die Augen selbst sind intakt.
F = FACE (GESICHT)
Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Wirkt das Gesicht asymmetrisch? Hängt ein Mundwinkel herab? Ein Schlaganfall kann die Gesichtsmuskeln beeinträchtigen.
A = ARMS (ARME)
Bitten Sie die betroffene Person, beide Arme gleichzeitig nach vorne zu heben und die Handflächen nach oben zu drehen. Sinkt ein Arm ab, dreht er sich weg oder hängt ein Arm tiefer, kann das auf eine Lähmung oder Koordinationsstörung hinweisen.
S = SPEECH (SPRACHE)
Lassen Sie die betroffene Person einen einfachen Satz nachsprechen. Kann sie die Worte korrekt wiederholen? Klingt die Sprache undeutlich, verwaschen oder unverständlich? Auch Wortfindungsstörungen, fehlende Sprachproduktion oder Verwirrtheit können Warnzeichen sein.
T = TIME (ZEIT)
Hat die betroffene Person mit einer dieser Aufgaben Probleme, wählen Sie sofort den Notruf 112. Sagen Sie der Leitstelle, dass der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht. So kann schnell die richtige Hilfe eingeleitet werden.
Bei Schlaganfall-Verdacht sofort 112 wählen
Bei einem Schlaganfall sterben Nervenzellen ab, wenn sie nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Rund um das geschädigte Gebiet gibt es jedoch oft noch Hirngewebe, das gerettet werden kann – wenn die Durchblutung schnell wiederhergestellt wird. Deshalb gilt: Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance, Folgeschäden zu begrenzen.
Warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden von allein verschwinden. Fahren Sie die betroffene Person auch nicht selbst in die Klinik, sondern rufen Sie den Rettungsdienst unter 112. Sagen Sie am Telefon unbedingt: „Verdacht auf Schlaganfall“. Für den Rettungsdienst ist das eine wichtige Information, damit schnell die richtigen Maßnahmen eingeleitet werden können.
Erste Hilfe bei Schlaganfall-Verdacht
Bleiben Sie bei der betroffenen Person und lassen Sie sie nicht allein. Beruhigen Sie sie und sorgen Sie dafür, dass sie möglichst ruhig sitzt oder liegt. Öffnen Sie enge Kleidung und achten Sie darauf, ob die Person normal atmet.
Geben Sie der betroffenen Person nichts zu essen oder zu trinken, da bei einem Schlaganfall Schluckstörungen auftreten können. Auch Medikamente sollten nicht eigenständig gegeben werden. Bleiben Sie bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes bei der Person und beobachten Sie, ob sich die Beschwerden verändern.
Ist die Person bewusstlos, atmet aber normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Atmet sie nicht mehr normal, beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung und folgen Sie den Anweisungen der Leitstelle am Telefon.
Auch kurze Ausfälle sind ein Notfall
Verschwinden Lähmungen, Sprachprobleme oder Sehstörungen nach wenigen Minuten wieder, ist das kein Grund zur Entwarnung. Auch vorübergehende Beschwerden können auf eine kurzzeitige Durchblutungsstörung im Gehirn hinweisen – eine sogenannte transitorische ischämische Attacke, kurz TIA. Sie kann ein Warnsignal für einen bevorstehenden Schlaganfall sein. Deshalb gilt auch hier: nicht abwarten, sondern sofort den Notruf 112 wählen.
Vorhofflimmern: Oft unbemerkt, aber gefährlich
Vorhofflimmern zählt zu den wichtigsten herzbedingten Ursachen eines Schlaganfalls. Die Rhythmusstörung ist besonders tückisch, weil sie nicht immer Beschwerden verursacht. Manche Betroffene spüren nur gelegentlich Herzstolpern, andere bemerken gar nichts. Tritt Vorhofflimmern nur anfallsartig auf, kann es bei einer kurzen EKG-Untersuchung unentdeckt bleiben.
Umso wichtiger ist es, nach einem Schlaganfall oder bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen gezielt nach der Ursache zu suchen. Wer Herzstolpern, einen unregelmäßigen Puls, Herzrasen oder unerklärliche Leistungsschwäche bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen.
BEFAST-Test als Plakat
Schlaganfall erkennen: Mit dem BEFAST-Test richtig handeln
Expertin
Assistenzärztin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.