Omega-3-Fettsäuren gelten seit Jahren als „gesund fürs Herz“. Viele Menschen verbinden sie automatisch mit Fischöl-Kapseln und mit dem Versprechen, Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern zu können. Doch stimmt das wirklich?
In diesem Artikel erfahren Sie:
- welche Omega-3-Fettsäuren bedeutsam sind (ALA, EPA, DHA)
- was Omega-3-Fettsäuren im Körper bewirken
- wie viel Omega-3 täglich empfohlen wird
- worin sich Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Arzneimittel unterscheiden
- wann Fischöl-Kapseln oder Omega-3-Öle sinnvoll sein können
- welche Risiken und Nebenwirkungen Herzpatienten kennen sollten
- Antworten auf häufige Fragen zu Omega-3 fürs Herz
Was sind Omega-3-Fettsäuren?
Omega-3-Fettsäuren sind besondere Fette, genauer gesagt mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die unser Körper für wichtige Aufgaben braucht, unter anderem für Herz, Gehirn, Blutgefäße und die Regulation von Entzündungen. Da der Körper sie nicht ausreichend selbst herstellen kann, müssen wir sie über die Ernährung aufnehmen. Man bezeichnet sie daher auch als essenzielle Fettsäuren. Wichtig dabei: Omega-3 ist nicht gleich Omega-3. Es gibt verschiedene Formen, die sich vor allem in der chemischen Struktur sowie in der Herkunft unterscheiden.
Welche Omega-3-Fettsäuren gibt es? ALA, EPA und DHA einfach erklärt
Die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren heißen:
- ALA (Alpha-Linolensäure)
- EPA (Eicosapentaensäure)
- DHA (Docosahexaensäure)
Die drei Namen ALA, EPA und DHA werden oft durcheinandergebracht, weil sie alle zu den Omega-3-Fettsäuren gehören. Sie stammen aber aus unterschiedlichen Quellen und wirken im Körper nicht identisch.
ALA – die pflanzliche Omega-3-Quelle
ALA kommt vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln vor, insbesondere in Leinsamen, Chiasamen oder Walnüssen sowie in den zugehörigen Ölen, zum Beispiel in Leinöl oder Walnussöl, aber auch in Rapsöl. ALA ist essenziell, das bedeutet: Der Körper kann sie nicht selbst herstellen und muss sie deswegen über die Nahrung aufnehmen.
Der Körper kann ALA in die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA umwandeln, allerdings nur begrenzt. Meist werden nur etwa 5–10 % der aufgenommenen Menge in EPA und noch weniger in DHA umgebaut. Deshalb ist ALA zwar gesund, aber nicht automatisch gleichwertig mit EPA und DHA und kann diese nicht vollständig ersetzen.
EPA und DHA – die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren fürs Herz
EPA und DHA finden sich hauptsächlich in fetten Kaltwasser-Meeresfischen (z. B. Lachs, Hering, Makrele, Sardinen) sowie in Meeresalgen (und damit auch in Algenöl). Diese beiden Formen sind besonders gut untersucht, wenn es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht.
Was bewirken Omega-3-Fettsäuren im Körper?
Triglyceride sind eine Form von Blutfetten. Sie bestehen chemisch aus Glycerin und drei Fettsäuren und dienen als wichtige Energiespeicher. Allerdings haben wir oft zu viel davon im Blut, etwa bei:
- Übergewicht
- Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
- Bewegungsmangel
- hohem Alkoholkonsum
- ungünstiger, fett- und zuckerreicher Ernährung
Omega-3-Fettsäuren können die Triglycerid-Werte im Blut reduzieren. Vor allem EPA und DHA wirken senkend, wenn sie in höherer Dosierung (mehrere Gramm pro Tag) eingenommen werden. Solch hohe Dosierungen sollten allerdings nicht eigenständig genommen werden. Das sollte unter ärztlicher Betreuung und Kontrolle geschehen.
Ein Herzinfarkt entsteht meist durch Arteriosklerose, umgangssprachlich Gefäßverkalkung. Gemeint ist eine dauerhafte Ablagerung von Fett- und Kalkbestandteilen in den Gefäßwänden. Entzündungsprozesse spielen dabei eine zentrale Rolle. Omega-3-Fettsäuren können entzündlichen Prozessen im Körper entgegenwirken.
Außerdem werden sie in die Zellmembran eingebaut, also in die „Außenhülle“ jeder Körperzelle. Das kann unter anderem die Funktion von Gefäßen und Immunzellen beeinflussen.
Blutplättchen (Thrombozyten) sind wichtig für die Blutgerinnung. Omega-3-Fettsäuren können auch die Aktivität der Blutplättchen dämpfen. Dadurch kann bei höheren Dosierungen die Gerinnung etwas gebremst werden. Das Blut wird nicht „dünner“, aber es gerinnt etwas langsamer. Bei bestimmten Patientengruppen oder bei gleichzeitiger Einnahme blutverdünnender Medikamente ist daher Vorsicht angebracht, weil dadurch das Blutungsrisiko steigen kann – vor allem bei hoher Dosierung.
Was ist für Herzpatienten wirklich belegt – und was nicht?
Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Studienlage. Denn die Erwartungen vieler Menschen sind größer als die tatsächlichen Effekte.
Triglyceride: Omega-3 kann deutlich senken
Einer der am besten belegten Effekte ist, dass Omega-3 Triglyceride senken kann. In vielen Studien und Übersichtsarbeiten bestätigte sich das, besonders bei Dosierungen von mehreren Gramm pro Tag. Das ist vor allem für Menschen mit deutlich erhöhten Triglyceridwerten medizinisch relevant. Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zur Behandlung der Hypertriglyceridämie sollte dann ärztlich verordnet und überwacht werden.
Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern? Der Effekt ist eher klein
Viele große Studien und Übersichten belegen: Für die breite Bevölkerung, aber auch für Menschen mit Herzerkrankungen, ist der Effekt von Omega-3-Kapseln auf Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sterblichkeit, wenn überhaupt vorhanden, eher gering. Am ehesten gibt es Hinweise darauf, dass eine höhere Aufnahme von ALA das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse geringfügig reduzieren könnte. Darauf weist unter anderem die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft hin.
Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat 2018 nach Auswertung der Studienlage festgestellt, dass Omega-3-Arzneimittel auf EPA-/DHA-Basis in einer Dosierung von 1 g pro Tag keinen ausreichenden Nutzen zeigen, um nach einem Herzinfarkt vor weiteren Infarkten zu schützen. Klassische Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel werden in den medizinischen Leitlinien daher auch nicht zur Risikosenkung empfohlen. Eine Ausnahme besteht bei deutlich erhöhten Triglyceridwerten. In solchen Fällen können hoch dosierte, ärztlich verordnete Omega-3-Präparate eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. Wichtig für Deutschland: Verschreibungspflichtige Fischölkapseln sind hier derzeit nicht mehr auf dem Markt. Das EPA-Präparat Vazkepa wurde zum 1. September 2022 außer Vertrieb genommen (ist aber in anderen Ländern noch in der Anwendung).
Diese Einschätzungen bedeuten nicht, dass Omega-3 nutzlos ist. Kapseln ersetzen jedoch keine herzgesunde Lebensweise.
Eine besondere Studie ist dennoch erwähnenswert: In der REDUCE-IT-Studie konnte die Anwendung des hoch dosierten, speziell hergestellten EPA-Präparates Vazkepa (Icosapent-Ethyl 4 g pro Tag) bei über 8000 Teilnehmenden mit kardiovaskulärer Vorerkrankung oder Diabetes mellitus, Statintherapie und häufig erhöhten Triglyceriden das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse deutlich senken. Wichtig ist dabei: In dieser Studie wurde kein gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel untersucht, sondern ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel mit hoch gereinigtem EPA. Unter der hohen Dosierung traten allerdings auch häufiger unerwünschte Wirkungen wie Vorhofflimmern auf.
Blutdruck: kleine Effekte möglich
Metaanalysen (Zusammenfassungen vieler Studien) zeigen: Etwa 2–3 g Omega-3-Fettsäuren pro Tag (EPA + DHA) können den Blutdruck leicht senken, im Durchschnitt um ca. 2 mmHg. Bei Menschen mit Bluthochdruck kann der Effekt etwas stärker sein. Das ist ein interessanter Zusatznutzen, aber keine alleinige Therapie.
Wie viel Omega-3-Fettsäuren werden täglich empfohlen?
Für gesunde Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) 1–2 Portionen Fisch pro Woche sowie zusätzlich pflanzliche Omega-3-Quellen wie Rapsöl oder Nüsse. Eine Portion Fisch entspricht hierbei etwa 120 g (z. B. Lachs oder Hering).
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt zu dem Schluss, dass die tägliche Aufnahme von etwa 250 mg EPA + DHA für Erwachsene angemessen ist. Diese Menge lässt sich in der Regel gut über den regelmäßigen Verzehr von Fisch erreichen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Erwachsene, etwa 0,5 Prozent der täglichen Energiezufuhr in Form von ALA aufzunehmen. Das entspricht – je nach Energiebedarf – ungefähr 1,3 g pro Tag für Frauen und etwa 1,6 g pro Tag für Männer. Diese Menge lässt sich zum Beispiel mit rund einem Esslöffel Rapsöl erreichen. 15 ml Rapsöl liefern etwa 1,3 bis 1,5 g ALA und decken damit die Empfehlung für Frauen in der Regel gut ab; für Männer liegt die Zufuhr damit je nach Energiebedarf in etwa im empfohlenen Bereich. Auch eine kleine Portion Walnüsse kann zur ALA-Zufuhr beitragen.
Verbindliche allgemeine Obergrenzen existieren hingegen nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt vorsorglich, pro Tag insgesamt nicht mehr als 1,5 Gramm Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA aufzunehmen. Gemeint ist die Gesamtmenge aus Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln. Die EFSA kommt hingegen zu dem Schluss, dass Aufnahmen von bis zu etwa 5 Gramm EPA und DHA pro Tag aus Nahrung und Nahrungsergänzungsmitteln als sicher gelten.
Das macht die Übersicht für Verbraucher nicht einfacher, zeigt aber, dass eine zusätzliche Zufuhr zur Ernährung in jedem Fall mit Bedacht erfolgen sollte.
Omega-3 in der Schwangerschaft
Schwangere gehören zu einer Zielgruppe, die besonders häufig mit Omega-3-Produkten angesprochen wird. Dahinter steht der Wunsch, etwas Gutes für die Entwicklung des Kindes zu tun, vor allem für Gehirn und Nervensystem. Wichtig ist aber: Wer sich so ernährt, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, braucht meist keine zusätzlichen Omega-3-Präparate. Mit ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche lässt sich die empfohlene DHA-Zufuhr in der Regel bereits erreichen.
Lebensmittel, Kapseln & Arznei: die Unterschiede?
Hier geht es um Omega-3-Fettsäuren aus natürlichen Quellen, vor allem aus fettem Seefisch (z. B. Lachs, Hering, Makrele) oder pflanzlichen Quellen (z. B. Leinöl, Chiasamen, Walnüsse).
Vorteile:
- man nimmt gleichzeitig andere gesunde Nährstoffe auf (z. B. Eiweiß, Vitamin D, Jod, Selen)
- natürlicher Bestandteil einer herzgesunden Ernährung
Nachteile:
- genaue Dosierung ist schwer kontrollierbar
- nicht jede:r mag oder verträgt Fisch
Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte wie Fischöl- oder Algenöl-Kapseln oder Öle, die frei verkauft werden in Drogerien, Apotheken oder online. Zweck dieser Produkte ist meist eine „Unterstützung“ der Ernährung, nicht aber eine gezielte Therapie.
Vorteile:
- praktisch und einfach, da leicht verfügbar
- geeignet für Menschen, die keinen Fisch essen (z. B. Algenöl als Alternative)
Nachteile:
Nahrungsergänzungsmittel werden nicht so streng geprüft wie Medikamente. Das bedeutet:
- Qualität kann schwanken
- tatsächlicher EPA-/DHA-Gehalt kann teils stark von Packungsangaben abweichen
- manche Produkte sind oxidiert („ranzig“)
- Rückstände oder Verunreinigungen sind möglich
- viele Produkte sind so niedrig dosiert, dass sie kaum messbare Effekte haben
Diese Präparate enthalten hochdosierte und standardisierte Omega-3-Fettsäuren und sind nur in Apotheken erhältlich (Kennzeichnung mit „apothekenpflichtig”), sie haben eine Fachinformation und eine Zulassungsnummer als Arzneimittel. Sie sind in Studien geprüft worden und haben, je nach Präparat und Zielgruppe, nachweisbare Effekte.
Ein therapeutischer Einsatz kommt zum Beispiel infrage bei bestimmten Hochrisiko-Patient:innen mit erhöhten Triglyceriden trotz Statintherapie (Statine sind Medikamente zur Cholesterinsenkung).
Vorteile:
- exakte Dosierung
- kontrollierte Qualität
- klare Aussagen zu Wirkung und Nebenwirkungen (Beipackzettel, Studienlage)
Nachteile:
- mögliche Nebenwirkungen (z. B. Blutungsneigung, Vorhofflimmern) aufgrund hoher Dosis
- nur für einen eingeschränkten Patientenkreis
Omega-3-Fettsäuren in Lebensmitteln: die besten Quellen für den Alltag
Fisch – aber welcher? Besonders Omega-3-reich sind:
- Hering (sehr hoher Gehalt)
- Makrele
- Sardinen
- Lachs
- Forelle
- Thunfisch
- Algen
Achtung: Bei manchen Fischarten (z. B. großen Raubfischen) kann der Quecksilbergehalt erhöht sein. Für Schwangere und Stillende gelten daher besondere Empfehlungen.
Nachhaltigkeit zählt mit: Aus medizinischer Sicht sind Fischmahlzeiten sinnvoll. Aber auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Eine Orientierung sein oder Alternativen bieten können:
- MSC-Siegel (Wildfang)
- ASC-Siegel (Aquakultur)
- regionale Fischsorten (z. B. Forelle)
- Algenöl (weil Fische durch den Verzehr von Krill/Mikroalgen erst ihren Gehalt an Omega-3-Fettsäuren aufbauen)
Pflanzliche Quellen
Gute ALA-Lieferanten sind:
- Leinsamen/Leinöl
- Rapsöl
- Walnüsse/Walnussöl
- Chiasamen
- Sojabohnen
- grünes Blattgemüse
- Weizenkeime
Wichtig: Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren sind gesund, aber sie liefern vor allem ALA, nicht direkt EPA/DHA. Sie sind deshalb kein gleichwertiger Ersatz. Außerdem sind viele Omega-3-Öle empfindlich gegenüber Licht, Hitze und Sauerstoff. Deshalb sollte z. B. Leinöl nicht erhitzt werden und gehört in den Kühlschrank.
Für wen sind Omega-3-Fettsäuren oder Fischöl-Kapseln sinnvoll?
Omega-3-Präparate können sinnvoll sein bei:
- Menschen, die keinen Fisch essen (z. B. Algenöl als Alternative)
- veganer Ernährung mit niedriger EPA-/DHA-Zufuhr
- stark erhöhten Triglycerid-Werten nach ärztlicher Empfehlung
Wann Omega-3-Kapseln eher nicht sinnvoll sind
Nicht sinnvoll sind Omega-3-Kapseln, wenn sie nur genommen werden, um:
- „das Herz zu schützen“
- „Herzinfarkt zu verhindern“
- „Cholesterin zu senken“
Denn: Für diese Ziele sind in Studien keine überzeugenden Effekte nachgewiesen worden.
Welche Risiken und Nebenwirkungen Herzpatienten kennen sollten
Omega-3 gilt oft als „natürlich und harmlos“. Doch gerade hohe Dosierungen können Nebenwirkungen haben.
Vorhofflimmern-Risiko – ein wichtiger Warnhinweis
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig und teils auch deutlich zu schnell schlägt. Das kann das Schlaganfallrisiko erhöhen. In Studien zeigte sich: Hohe Omega-3-Dosen (z. B. 4 g/Tag) können das Vorhofflimmern-Risiko erhöhen. Das gilt besonders bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Risikofaktoren. Hohe Dosen sollten deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden
Blutverdünner und Operationen
Omega-3-Fettsäuren können die Blutgerinnung beeinflussen. Wer Blutverdünner einnimmt (z. B. Marcumar, Apixaban, Rivaroxaban) oder wer eine Operation geplant hat, sollte unbedingt den Arzt informieren, insbesondere wenn hohe Omega-3-Dosen eingenommen werden.
Fazit: Omega-3-Fettsäuren – Herzschutz beginnt im Alltag
Die Gesamtaufnahme von Fetten sollte generell weniger als 30 % der Gesamtenergie betragen, mit einer Präferenz für ungesättigte Fette, wie Omega-3 und auch Omega-6. Omega-Fettsäuren sind wichtig für den Körper und können, besonders über die Ernährung, ein sinnvoller Baustein eines herzgesunden Lebensstils sein. Dies lässt sich noch deutlich verbessern, indem man bewusst auf einen geringeren Verzehr von Omega-6- zugunsten von mehr Omega-3-Fettsäuren achtet (z.B. weniger Sonnenblumen- und Distelöl, weniger Fertigprodukte). Erklärung: Während Omega-3-Fettsäuren klar entzündungshemmend wirken, zeigen die ebenfalls essentiellen Omega-6-Fettsäuren zwar auch entzündungshemmende Effekte, doch sie können ebenso Entzündungen fördern. Als ideal wird daher eine Aufnahme von Omega-6 zu Omega-3 im Verhältnis von 4:1 bis 1:1 angegeben. Die Balance wird bei hoher Omega-6-Aufnahme zudem ungünstig verschoben, weil diese Fettsäuren mithilfe desselben Enzyms im Körper verarbeitet werden. Sind nämlich alle Enzyme bereits stark mit Omega-6-Fettsäuren beschäftigt, kann die Verarbeitung von Omega-3-Fettsäuren nicht mehr optimal erfolgen.
Was nicht belegt ist: Dass normale Fischöl-Kapseln oder Omega-3-Kapseln sicher Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern. Große Studien haben für Nahrungsergänzungsmittel keine überzeugenden Vorteile liefern können.
Und wichtig: Hohe Dosierungen können Nebenwirkungen haben, insbesondere ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern
Die beste Strategie für das Herz bleibt daher: Ernährung, Bewegung, Blutdruckkontrolle und konsequente Behandlung von Risikofaktoren.
Das sollten Sie sich merken:
- Referenzgröße: 250 mg EPA + DHA pro Tag gelten als Richtwert für „normale Herzfunktion“.
- Ernährung zuerst: 1–2 Fischmahlzeiten pro Woche decken oft diese Zielmenge.
- Kapseln sind kein automatischer Herzschutz: Der Nutzen für Herzinfarkt-/ Schlaganfallprävention ist fraglich.
- Hohe Dosen können schaden: Das Vorhofflimmern-Risiko steigt dosisabhängig.
- Ausnahme: Bei Hochrisikopatient:innen mit hohen Triglyceridwerten können Omega-3-Fettsäuren als Arzneimittel zusätzlich zu Statinen erwogen werden.
FAQ: Omega-3 fürs Herz – was ist dran?
Nicht zwingend. Wer regelmäßig fetten Fisch isst und pflanzliche Omega-3-Quellen nutzt, erreicht meist ausreichende Mengen. Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn Fisch konsequent gemieden wird (z. B. bei veganer Ernährung). Für den allgemeinen Herzschutz sind Kapseln zudem kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und körperliche Aktivität.
Als hoch dosiert werden bereits Präparate mit einem Gehalt von 1 Gramm DHA/EPA pro Kapsel beworben. Bei den Arzneimitteln kommt man mit der üblichen Dosierung allerdings auf eine Tagesdosis von 2–4 Gramm EPA/DHA. Solche Dosierungen werden z. B. bei stark erhöhten Triglyceridwerten eingesetzt. Studien zeigen: Sehr hohe Dosen von Omega-3 (etwa 4 Gramm pro Tag) können das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen - besonders bei Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben oder dafür Risikofaktoren tragen.
Deshalb gerade bei vorhandenen Herzschäden nur nach ärztlicher Rücksprache mehr als die oben genannten Mengen von 1-1,5 Gramm/Tag aufnehmen.
Ja, Algenöl kann eine sehr gute Alternative sein, weil es genau wie Fisch EPA und DHA direkt liefert. Der Fisch enthält diese Fettsäuren letztlich auch nur, weil er Krill/Algen frisst. Wichtig ist, auf den tatsächlichen EPA-/DHA-Gehalt pro Tagesdosis zu achten, nicht nur auf die Ölmenge.
Omega-3-Fettsäuren senken vor allem Triglyceridwerte, nicht das LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“). Bei erhöhtem LDL-Wert sind andere Maßnahmen entscheidend, bei vielen Herzpatient:innen sind das Statine. Omega-3 ersetzt diese Therapie nicht.
Grundsätzlich ja, das wird in bestimmten Fällen auch gezielt gemacht. Bei Hochrisikopatient:innen mit erhöhten Triglyceridwerten kann der Arzt ein spezielles Omega-3-Präparat zusätzlich zu Statinen empfehlen. Normale Nahrungsergänzungsmittel sollten jedoch nicht unkritisch und in Eigenregie in hoher Dosis kombiniert werden.
Möglicherweise, allerdings nur sehr leicht. In Studien wurde bei Aufnahme von meist relativ hohen Dosen ab 2-3 Gramm EPA/DHA täglich im Durchschnitt eine Senkung um ca. 2 mmHg erzielt. Bei Menschen mit Bluthochdruck war der Effekt etwas stärker. Fazit: Die Blutdrucksenkung ist eher ein Zusatznutzen. Eine konsequente Blutdrucktherapie wird durch Einnahme von Omega-3 nicht ersetzt.
Experte
Prof. Dr. med. Daniel Dürschmied ist Direktor der I. Medizinischen Klinik (Kardiologie, Angiologie, Hämostaseologie und Internistische Intensivmedizin) der Universitätsmedizin Mannheim der Universität Heidelberg. Er studierte in Ulm und Paris und arbeitete in Freiburg und Boston. Mit seinem Team behandelt er einerseits Schwerstkranke bis hin zum Herzstillstand im Zentrum für kardiovaskuläre Akutmedizin Mannheim, berät aber auch Menschen in jeder Lebenslage, um Krankheiten wie Herzinfarkt zu verhindern (Prävention). Zudem ist er Miglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.
Expertin
PD Dr. med. Kathrin Weidner ist Oberärztin an der I. Medizinischen Klinik (Kardiologie, Angiologie, Hämostaseologie und Internistische Intensivmedizin) des Universitätsklinikums Mannheim der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Sie absolvierte ihr Medizinstudium an der Universität des Saarlandes und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und ist seitdem an der Universitätsmedizin Mannheim tätig. Ihr klinischer Schwerpunkt liegt in der Diagnostik struktureller Herzerkrankungen sowie in der kardiovaskulären Prävention.
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- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. (2023, November 24). Omega-3-Fettsäuren: Risiko für Vorhofflimmern bei hohen Dosierungen. BfArM.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE). (2021). Fisch und Omega-3-Fettsäuren: Empfehlungen zur Aufnahme. Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
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- Bundesinstitut für Risikobewertung. (2009). Für die Anreicherung von Lebensmitteln mit Omega-3-Fettsäuren empfiehlt das BfR die Festsetzung von Höchstmengen (Stellungnahme Nr. 030/2009). https://www.bfr.bund.de/stellungnahme/fuer-die-anreicherung-von-lebensmitteln-mit-omega-3-fettsaeuren-empfiehlt-das-bfr-die-festsetzung-von-hoechstmengen/
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- Albert, B. B., Derraik, J. G. B., Cameron-Smith, D., Hofman, P. L., Tumanov, S., Villas-Boas, S. G., Garg, M. L., & Cutfield, W. S. (2015). Fish oil supplements in New Zealand are highly oxidised and do not meet label content of n-3 PUFA. Scientific Reports, 5, Article 7928. https://doi.org/10.1038/srep07928https://www.ahajournals.org/doi/pdf/10.1161/cir.0b013e3182160726 und https://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/high-blood-cholesterol/in-depth/triglycerides/art-20048186