Vorhofflimmern ist eine häufige Herzrhythmusstörung. Sie kann unter anderem das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche erhöhen. Gleichzeitig nimmt Vorhofflimmern auch bei jüngeren Erwachsenen zu – darunter Frauen im gebärfähigen Alter.
Forschende aus Schweden haben deshalb in einer großen Studie untersucht, ob bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen – auch noch Jahrzehnte später. Außerdem verglichen sie Schwestern miteinander. So lässt sich besser einschätzen, ob ein Zusammenhang eher durch gemeinsame familiäre Faktoren (z. B. Genetik oder Lebensstil) erklärt werden könnte.
Für die Studie wurden Daten von über 2,2 Millionen Frauen mit einer Einlingsgeburt aus dem schwedischen Geburtenregister ausgewertet. Ob in den folgenden Jahren Vorhofflimmern diagnostiziert wurde, ermittelten die Forschenden über nationale Gesundheitsregister. Frauen, die bereits vor der ersten erfassten Geburt Vorhofflimmern hatten, wurden ausgeschlossen.
Was wurde als „Schwangerschaftskomplikation“ gezählt?
Untersucht wurden sechs häufige Ereignisse, die in der Schwangerschaft auftreten können:
- Frühgeburt (vor 37 vollendeten Schwangerschaftswochen)
- zu kleines Kind für das Schwangerschaftsalter
- zu großes Kind für das Schwangerschaftsalter
- Präeklampsie (eine ernste Komplikation mit hohem Blutdruck, die Mutter und Kind gefährden kann)
- andere Bluthochdruck-Erkrankungen in der Schwangerschaft (z. B. Schwangerschaftshypertonie oder chronischer Bluthochdruck)
- Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
Wie häufig trat Vorhofflimmern auf?
Von 2.201.047 Frauen erhielten im Verlauf 51.173 die Diagnose Vorhofflimmern (2,3 %). Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose lag bei 63 Jahren.
Über die gesamte Nachbeobachtungszeit von bis zu 46 Jahren war das Risiko für Vorhofflimmern erhöht – besonders nach:
- Präeklampsie und anderen Bluthochdruck-Erkrankungen in der Schwangerschaft,
- Frühgeburt,
- Gestationsdiabetes,
- und nach der Geburt eines zu großen Kindes.
Frauen mit mehr als einer Schwangerschaftskomplikation hatten ein deutlich höheres Risiko.
Die Studie zeigte außerdem Unterschiede je nach Zeitraum. So war in den ersten zehn Jahren nach der Geburt war das Risiko besonders erhöht nach Bluthochdruck-Erkrankungen in der Schwangerschaft und nach Frühgeburt. Langfristig (30–46 Jahre nach der Geburt) blieb das Risiko bei Bluthochdruck Erkrankungen erhöht und war auch nach Präeklampsie oder Gestationsdiabetes deutlich erhöht.
Beim Vergleich von Schwestern zeigte sich: Die Zusammenhänge waren weitgehend unabhängig von familiären Faktoren.
Fazit
Bestimmte Komplikationen in der Schwangerschaft können als Frühwarnzeichen für ein langfristig erhöhtes Vorhofflimmern-Risiko gelten – besonders Präeklampsie, Bluthochdruck in der Schwangerschaft, Gestationsdiabetes und Frühgeburt. Nach solchen Ereignissen sind eine konsequente Kontrolle von Blutdruck und anderen Risikofaktoren sowie eine langfristige medizinische Nachbetreuung sinnvoll, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Vorhofflimmern früh zu erkennen und zu behandeln.
- Adverse Pregnancy Outcomes and Long-Term Risk of Atrial Fibrillation; JAMA Cardiol. 2025; doi:10.1001/jamacardio.2025.3951
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.