Wenn Patienten einen schweren Herzinfarkt (STEMI) erleiden, werden die verschlossenen Herzkranzgefäße meist mit einem Herzkatheter wiedereröffnet und mit einem Stent (einer Gefäßstütze) stabilisiert, damit das Gefäß offenbleibt. Moderne Stents sind sehr sicher, doch mit der Zeit kann es zu einem Phänomen kommen, das Mediziner „Neoatherosklerose“ nennen.
Das bedeutet: Im Inneren des Stents bilden sich neue Ablagerungen aus Kalk und Fett – fast so, wie die ursprüngliche Verkalkung, die zum Infarkt geführt hat. Diese Ablagerungen können im schlimmsten Fall zu einem Re-Infarkt führen.
Erhöht LDL das Neoatherosklerose-Risiko?
Ein Forscherteam aus der Schweiz und Japan wollte nun herausfinden, wie stark das LDL-Cholesterin im Blut das Entstehen dieser neuen Ablagerungen im Stent beeinflusst. Zentrale Frage ihrer Studie war: Schützt ein konsequent niedriger LDL-Cholesterinspiegel, wie ihn die medizinischen Leitlinien der europäischen kardiologischen Fachgesellschaft empfehlen, vor einer Neoatherosklerose? Die Wissenschaftler werteten dazu Daten der „CONNECT-Studie“ aus, bei der 230 Patienten nach einem schweren Infarkt einen modernen, medikamentenbeschichteten Stent erhalten hatten.
Drei Jahre nach dem Einsetzen des Stents wurde das Innere der Gefäße mit einer speziellen Hochleistungskamera bei 178 von ihnen untersucht (Optische Kohärenztomografie, kurz OCT). Die Forscher verglichen dann die Ergebnisse derjenigen Patienten, die ihren LDL-Zielwert (im Durchschnitt 48 mg/dl) erreicht hatten mit jenen, deren LDL-Werte über den Empfehlungen lagen (im Durchschnitt 87 mg/dl).
Ergebnis: Die Höhe des LDL-Werts macht den Unterschied
Die Ergebnisse waren eindeutig: Bei Patienten, die durch eine medikamentöse Therapie ihre Zielwerte erreichten (insgesamt 98), trat nur in 7 Prozent der Fälle eine Neoatherosklerose auf. Bei Patienten, die die Zielwerte verfehlten – das waren 80 Patienten –, lag die Rate hingegen bei 19 Prozent. Das bedeutet: Ohne ausreichende Cholesterinsenkung war das Risiko für neue Ablagerungen im Stent fast dreimal so hoch.
Fazit
Ein Stent öffnet zwar das Gefäß, aber er schützt nicht automatisch davor, dass an derselben Stelle wieder neue Probleme entstehen. Die zugrunde liegende Erkrankung (Atherosklerose) muss weiterhin behandelt werden. Ein niedriger LDL-Spiegel kann direkt dazu beitragen, dass der Stent offen bleibt.
- Prediabetes remission and cardiovascular morbidity and mortality: post-hoc analyses from the Diabetes Prevention Program Outcome study and the DaQing Diabetes Prevention Outcome study, Lancet Diab&Endocrin, 2_26; DOI: 10.1016/S2213-8587(25)00295-5
- Prediabetes, Subclinical Myocardial Injury or Stress, and Heart Failure Risk for Adults With Hypertension, JAMA Cardiol, 1; 2026; doi: 10.1001/jamacardio.2025.4927
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.