Bei 10 bis 20 Prozent der Patienten mit Hypertonie ist der hohe Blutdruck schwer einstellbar, bei weniger als 10 Prozent ist der Blutdruck trotz Einsatz aller verfügbaren Medikamente gar nicht beherrschbar. Ursache hierfür ist häufig eine fehlerhafte Regulation des Aldosteron-Stoffwechsels.
Aldosteron ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird, zu einer Anhäufung von Natrium und Wasser im Körper führt und damit den Blutdruck steigert. Bei vielen Patienten mit Hypertonie entwickelt sich auf Dauer dann ein sogenannter Hyperaldosteronismus, das heißt eine vermehrte Bildung und Wirkung des Hormons Aldosteron.
Wie der Blutdruck in der Niere beeinflusst werden kann
Diese fehlerhafte Regulation des Aldosteron-Stoffwechsels kann medikamentös beeinflusst werden: Zum einen durch die Blockade des Rezeptors von Aldosteron, somit an den Stellen, an denen das Hormon Aldosteron angreift und seine Wirkungen ausübt (etwa in der Niere), zum anderen aber noch tiefgreifender durch eine gezielte Hemmung der Bildung von Aldosteron in der Nebennierenrinde.
Die Wirkung von Aldosteron-Rezeptorblockern (z.B. Spironolacton) auf den hohen Blutdruck ist bekannt. Diese Wirkstoffe werden bereits häufig bei sonst nicht behandelbarer Hypertonie eingesetzt. Die Erfahrungen zeigen übereinstimmend eine gute Wirkung entsprechender Medikamente.
Im Gegensatz dazu gab es bislang nur begrenzte Informationen über die Wirkung von neueren Substanzen, die die Synthese von Aldosteron blockieren. Mit Baxdrostat und Lorundrostat werden solche Arzneien derzeit gezielt zur Behandlung des Bluthochdrucks entwickelt.
Vielversprechende Studie mit Wirkstoff Baxdrostat
In einer aktuellen kontrollierten Studie wurde nun eingehend geprüft, wie sich die Einnahme eines solchen Blockers der Aldosteron-Synthese – Wirkstoffname Baxdrostat – auf den Blutdruck von Personen auswirkt, die trotz einer Mehrfachkombinationstherapie immer noch deutlich zu hohe Blutdruckwerte hatten. Nach einer Zufallszuteilung wurden zwei Behandlungsgruppen gebildet: die eine erhielt zusätzlich zur bisherigen Medikation den Wirkstoff Baxdrostat, die andere ein Scheinmedikament (Placebo).
Die Patienten wurden über 12 Wochen so behandelt. Die Wirkung auf den Blutdruck wurde in dieser Zeit mittels ambulanter 24-Stunden-Blutdruckmessung beurteilt. Das vielversprechende Ergebnis: Der obere (systolische) Blutdruckwert, der zuvor trotz Therapie noch bei im Durchschnitt 147 mmHg lag, wurde unter Baxdrostat um 16,6 mmHg und unter Placebo um 2,6 mmHg gesenkt.
Der untere (diastolische) Blutdruckwert, der zuvor auch erhöht war, ging unter der Medikation um 8,3 mmHg zurück, mit Placebo nur um 1,5 mmHg. Es traten lediglich milde Nebenwirkungen bei 56 Prozent in der mit Baxdrostat behandelten Gruppe und bei 37 Prozent in der mit Placebo behandelten Gruppe auf.
Wie lassen sich die Studiendaten bewerten?
Patienten mit schwer behandelbarer oder therapierefraktärer Hypertonie, die selbst mit einer Kombinationstherapie mit mehreren blutdrucksenkenden Mitteln nicht ausreichend einstellbar sind, profitieren offenbar merklich von einer Therapie mit dem Aldosteron-Synthesehemmer Baxdrostat. Bei der Mehrzahl dieser Patienten lässt sich der Blutdruck bei zusätzlichem Einsatz dieses Medikamentes dann wohl ausreichend senken.
Damit scheint dieses Therapieprinzip dem der Aldosteron-Rezeptorblocker zumindest ebenbürtig, möglicherweise sogar überlegen zu sein. Der langfristige Nutzen muss nun allerdings in weiteren Studien bestätigt werden. Auch ein Nachweis, dass sich die Therapie insgesamt auf kardiovaskuläre Ereignisse positiv auswirkt, steht noch aus, bevor die Substanz zur Behandlung zugelassen werden kann.
- Effect of baxdrostat on ambulatory blood pressure in patients with resistant hypertension (Bax24); Lancet 2026; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(25)02549-8
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.