Es ist uns allen bewusst, dass erhebliche Veränderungen von Schlafgewohnheiten, Ernährung und körperlicher Aktivität die Häufigkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten beeinflussen können. Die erwünschten optimalen Veränderungen werden von der Mehrheit der Patienten jedoch nicht erreicht. Es stellt sich daher die Frage, ob sich auch weniger drastische Änderung der Gewohnheiten bereits günstig auswirken.
Anhand von Daten der UK-Biobank von mehr als 53.000 Teilnehmern (mittleres Alter 63 Jahre) wurde mittels eines selbstlernenden Algorithmus geprüft, wie sich die Schlafdauer, die Dauer der täglichen körperlichen Belastung und die sinnvolle Änderung der Ernährung (erhöhter Anteil von Gemüse an der Gesamtnahrung) auf das Überleben und das kardiovaskuläre Risiko auswirken. Schlafdauer und Belastungszeiten wurden automatisch mittels tragbarer Erfassungssysteme (Wearables) gemessen.
So wirkte sich die Lebensstiländerung konkret aus
Die Teilnehmer wurden über einen achtjährigen Zeitraum nachbeobachtet. Während dieser Zeit kam es bei 2034 von ihnen zu schweren kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall oder Herzversagen durch eine Herzschwäche.
Als optimal erwies sich eine kombinierte Lebensstiländerung mit einer Schlafdauer von acht bis neuneinhalb Stunden pro Tag, rund 40 bis 100 Minuten moderater bis intensiver Bewegung täglich und einer optimalen gemüsereichen Ernährung (ein Teller Gemüse täglich).
Damit konnten Teilnehmer ein um 57 Prozent geringeres Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse erreichen im Vergleich zu Menschen mit ungünstigem Verhalten in allen drei Bereichen.
Was ist das Besondere an dieser Studie?
Besonders eindrücklich ist der „kleine Schritte Effekt“. Schon kleine realistisch machbare Änderungen wirken. So waren bereits etwa zehn zusätzliche Minuten Schlaf pro Tag, rund fünf Minuten mehr Bewegung und eine leichte Verbesserung der Ernährung (z. B. eine kleine Portion Gemüse mehr) mit einem etwa zehn Prozent niedrigeren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden.
Allerdings traten die Effekte nur dann in den genannten Größenordnungen auf, wenn die Veränderungen kombiniert erfolgten – jede Maßnahme für sich allein hätte deutlich größere Anstrengungen erfordert. Die Analyse zeigte außerdem, dass Bewegung den stärksten Einzelbeitrag zum Schutz leistete.
Wichtig zudem für die Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, keine Interventionsstudie. Die Ergebnisse zeigen somit Zusammenhänge, aber keine Beweise für Ursache und Wirkung. Dennoch sind die Daten robust, da Schlaf und Bewegung objektiv über Wearables gemessen wurden und zahlreiche statistische Analysen die Ergebnisse bestätigten.
- Combined variations in sleep, physical activity, and nutrition and the risk of major adverse cardiovascular events; European Journal of Preventive Cardiology März 2026; https://doi.org/10.1093/eurjpc/zwag141
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.