Seit langem ist bekannt, dass die wiederholte Expositionen mit Blei kardiovaskuläre und neurologische Schädigungen verursachen kann. Ziel einer aktuellen Studie war es nun, gezielt zu prüfen, ob eine langfristige Bleibelastung im Körper auch mit einem späteren Auftreten der Alzheimer-Krankheit oder einer anderen Form der Demenz zusammenhängt.
Anders als nach einer akuten Bleivergiftung, bei der sich das vom Körper aufgenommene Blei im Blut messen lässt, klappt dies bei wiederholter und chronischer Bleiexposition nicht. Hier reflektiert eine Blutmessung nicht die wirkliche Bleibelastung, da das Schwermetall im Knochen gespeichert wird und von dort dann langfristig in das zentrale Nervensystem (Gehirn) abgegeben werden kann. Eine chronische Belastung mit Blei lässt sich daher am besten an der Konzentration von Blei im Knochen erfassen.
So prüften Forscher den Zusammenhang von Blei und Alzheimer
In ihrer Studie werteten die Wissenschaftler nun die Daten aus zwei großen, landesweit repräsentativen US-Bevölkerungsstudien aus. Mehrere Tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden über viele Jahre begleitet – teils bis zu 30 Jahre. Zu Beginn der Studie bestimmten die Forschenden die Bleibelastung im Körper.
Gemessen wurde Blei im Blut und zusätzlich – mithilfe eines speziellen Rechenmodells – der Bleigehalt in den Knochen. Anschließend prüften die Forschenden über Krankenversicherungsdaten und Sterberegister, wer im Laufe der Zeit an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz erkrankte.
Fast jede fünfte Demenz-Erkrankung vermeidbar?
Ein zentrales Ergebnis der Datenauswertung war, dass Menschen mit einer hohen Bleibelastung in den Knochen ein deutlich höheres Risiko aufwiesen, an Alzheimer oder an einer Demenz zu erkranken. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang für sogenanntes Patellablei (Blei im Bereich der Kniescheibe). Personen mit den höchsten Knochenbleiwerten hatten ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Erkrankungsrisiko im Vergleich zu Menschen mit den niedrigsten Werten. Die Bleimenge im Blut zeigte hingegen keinen klaren Zusammenhang mit dem Demenzrisiko.
Die Wissenschaftler schätzen anhand ihrer Daten, dass rund 18 Prozent der Demenzfälle vermeidbar wären, wenn die Bleibelastung in der Bevölkerung dauerhaft auf ein niedriges Niveau gesenkt werden könnte. Als mögliche Erklärung führen sie an, dass Blei im Gehirn Prozesse fördert, die typisch für Alzheimer sind – etwa die Ablagerung von Eiweißen, Entzündungsreaktionen und oxidativen Stress.
Aus Sicht der Forschenden unterstreichen die Ergebnisse somit, wie wichtig es ist, Umweltfaktoren stärker in der Demenzprävention zu berücksichtigen. Blei findet sich z.B. in Kosmetika, Nahrungsmitteln, bleihaltigen Farben bei Anstrichen in Wohnhäusern und im Spielzeug unklarer Herkunft.
- Exposure to lead and incidence of Alzheimer Disease and all cause dementia in the United States; Alzheimer’s & Dement. 2026; DOI: 10.1002/alz.71075
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.