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Warum eine geschlechtersensible Medizin Leben rettet

Noch immer gibt es blinde Flecken in der Herzmedizin, wenn es um das Erfassen von kardiovaskulären Risiken bei Frauen geht. Was muss sich ändern?

Frau ist beim Arztgespräch und fasst sich an die Brust
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In dieser imPULS-Folge räumen wir mit einem hartnäckigen Vorurteil auf, nämlich dass Herzerkrankungen vor allem Männersache sind. Tatsächlich sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland auch bei Frauen die häufigste Todesursache – und Frauen sterben nach einem Herzinfarkt sogar häufiger als Männer. Das liegt an biologischen Unterschieden, aber auch an blinden Flecken in Medizin und Forschung. Das soll sich ändern. Wie? Das erfahren Sie in diesem Gespräch mit der Kardiologin Dr. Lena Seegers, Leiterin des Women’s Heart Health Center Frankfurt – dem ersten universitären Frauenherzzentrum in Deutschland.

Was bedeutet MINOCA?

Die Herzinfarktsterblichkeit ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland kontinuierlich gesunken; dieser Trend ist bei Frauen allerdings weniger ausgeprägt. Und dass ihre Herzinfarkt-Sterblichkeit insgesamt höher als bei Männern ist, wird unter anderem auf eine spätere Vorstellung im Krankenhaus, das meist höhere Alter beim Infarkt mit dann mehr kardiovaskulären Risikofaktoren und den geringeren Einsatz medikamentöser und interventioneller Therapien zurückgeführt.

Häufig wird bei Frauen außerdem eine untypische Herzinfarkt-Form übersehen, der MINOCA, ein Myokardinfarkt mit nichtobstruktiven Koronararterien. Mit diesem Akronym labelt man Infarkte, bei denen das Herzmuskelgewebe zwar durch eine akute Minderdurchblutung mit Sauerstoffmangel, die sogenannte Ischämie, geschädigt wird. Es lassen sich mit den üblichen Bildgebenden Verfahren aber keine typischen Gefäßablagerungen und Verengungen (medizinisch Obstruktionen) nachweisen. Diese Herzinfarktform ist bei 6-15 Prozent der Frauen, aber nur bei 3-4 Prozent der Männer zu finden. 

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Redaktion

Ruth Ney
Bild von Ruth Ney
Frau in Rettungwagen
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Warum warten ältere Frauen so lange, bis sie mit den Alarmzeichen eines Herzinfarktes die 112 rufen? Eine geförderte Studie liefert erste Ergebnisse.

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