Bei Menschen mit Beschwerden, aber ohne bereits bekannte koronare Herzkrankheit, wird die Herz-CT (koronare CT-Angiografie, CCTA) eingesetzt, um Veränderungen an den Herzkranzgefäßen sichtbar zu machen. In einer jüngst veröffentlichten Analyse von CCTA-Untersuchungsdaten haben Forschende überprüft, ob sich aus der genau gemessenen Menge an Ablagerungen (Plaque) vielleicht zusätzliche Hinweise auf das Risiko für spätere schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse ableiten lassen.
Was haben die Forschenden untersucht?
Die Forschenden vom Cardiovascular Imaging Research Center am Massachusetts General Hospital in Boston haben die Daten von insgesamt 4.267 Patienten mit Herzbeschwerden, bei denen aber bisher keine Herzerkrankung festgestellt worden war, nochmals näher untersucht. All diese Menschen hatten sich zuvor einer sogenannten Koronar-CT-Angiographie (CCTA) – einer speziellen Computertomographie der Herzarterien, unterzogen. Ziel war es, noch genauere Informationen aus den Bilddaten zu erhalten.
Fortschritte in der CCTA -Technologie sollten es nämlich ermöglichen, den Schweregrad der Atherosklerose in den Herzkranzgefäßen auch quantitativ, also mengenmäßig, zu erfassen. Es ging den Wissenschaftlern daher nicht nur – wie bisher – darum zu erfassen, ob Einengungen in diesen Gefäßen vorliegen. Sie haben auch die sogenannten Plaquevolumina, also das Ausmaß der atherosklerotischen Veränderungen im gesamten Verlauf eines Herzkranzgefäßes gemessen.
Zudem haben die Forscher auch den Anteil an verkalkten Plaques und nicht verkalkten Anteil ermittelt sowie der Summe aller Plaques (totale Plaquebelastung) im Verhältnis zum Volumen aller Kranzgefäße. Dies wird auch als Plaquelast bezeichnet. Die Auswertung der digitalen Daten erfolgt mittels großer Rechner und spezieller KI-gestützter Computerprogramme.
Das zentrale Ergebnis: Es kommt auf Art und Menge der Plaque an
Die Wissenschaftler haben die Auswertung der Bilddaten dann mit der Häufigkeit schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, kardiovaskulärer Tod) bei den Patienten über einen mehrjährigen Zeitraum verglichen. In dieser Zeit trat ein solches schweres kardiovaskuläres Ereignis bei 121 der Studienteilnehmer auf, also bei 2,8 Prozent. Darunter waren 56 Todesfälle, 23 nicht tödliche Herzinfarkte und 44 Krankenhauseinweisungen wegen instabiler Angina pectoris (herzbedingter Brustschmerzen).
Das wichtigste Ergebnis nach Auswertung der Daten nach drei Jahren: Höhere Werte für das gesamte Plaquevolumen, die gesamte Plaquebelastung und für die nicht verkalkte Plaquebelastung waren mit einem höheren Risiko für schwere Ereignisse verbunden. Als auffällige Schwellenwerte identifizierte die Studie
- ein gesamtes Plaquevolumen von 87 mm³ und mehr,
- eine gesamte Plaquebelastung ab 35 Prozent und
- eine nicht verkalkte Plaquebelastung ab 20 Prozent.
Ab diesem Werten war bei den Patienten das Herzrisiko doppelt so hoch wie bei Werten darunter. Diese Zusammenhänge blieben auch dann bestehen, wenn weitere bekannte Risikofaktoren sowie bereits etablierte CT-Befunde wie Kalkscore, höhergradige Engstellen (über 50 Prozent) oder Hochrisiko-Plaques berücksichtigt wurden.
Fazit: Verbesserte Risikoeinschätzung
Die quantitative Messung von Plaquevolumen beziehungsweise Plaquelast – insbesondere durch nicht verkalkte Plaque – mittels CT kann das Herzrisiko von Patienten ohne bekannte koronare Herzerkrankung eigenständig und unabhängig von anderen klinischen Einschätzungen und Bildgebungswerten vorhersagen. Das könnte künftig die Risikoeinschätzung weiter verbessern. Das ist wichtig, weil die Messung von Kalkablagerungen allein oder die Beurteilung von einzelnen Engstellen das Risiko bisher nicht vollständig erfassen konnten. Die neue Auswertung zeigt nun: Es kommt nicht nur darauf an, ob Ablagerungen vorhanden sind, sondern wie viel und welcher Art.
- Prognostic Value of Plaque Volume in Patients With First Diagnosis of Coronary Artery Disease; JAMA Cardiology,2/2026; doi: 10.1001/jamacardio.2025.5520
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.