Sprechstundenfrage

Gerinnungshemmung vor Magen- und Darmspiegelung: Was beachten?

Ein Experte erläutert wichtige Punkte bei PFO und im höheren Alter. Was gilt es zu beachten vor einer Magen- und Darmspiegelung?

Bei einer 71 Jahre alten Herzpatientin mit einem offenen Foramen ovale steht eine endoskopische Untersuchung an. Sie nimmt seit über 20 Jahren den Gerinnungshemmer Marcumar. Ein Experte erklärt, auf was sie nun achten und welche Fragen sie mit ihrem Kardiologen bzw. Gastroenterologen klären sollte.

Die Sprechstundenfrage im Wortlaut:

Ich bin eine 71 Jahre alte Herzpatientin und habe ein offenes Foramen ovale (PFO), eine Öffnung zwischen den beiden Herzvorhöfen. Seit 2004 nehme ich ohne nennenswerte Komplikationen den Gerinnungshemmer Marcumar. Nun muss ich in ein paar Wochen eine Magen- und Darmspiegelung durchführen lassen. Mir wurde gesagt, ich solle sieben Tage vorher kein Marcumar mehr einnehmen. In dieser Zeit soll ich auch keine Heparin-Spritzen setzen. Das kommt mir doch sehr seltsam vor und ich mache mir Sorgen. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie mir? (Annerose S., Wolfsburg)

Expertenantwort:

Vielen Dank für Ihre Frage. Sie sollten dieses Problem erneut mit Ihren behandelnden Ärzten, insbesondere den Kardiologen, diskutieren. Nach den medizinischen Leitlinien gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf, dass bei offenem Foramen ovale eine sogenannte Antikoagulation (Phenprocoumon wie Marcumar oder neuere Gerinnungshemmer) besser sei als die Einnahme von Blutplättchenhemmern (Thrombozytenaggregationshemmer) wie ASS oder Clopidogrel. Diese Aussage bezieht sich allerdings auf Patienten zwischen 16 und 60 Jahren. Für etwas höhere Altersgruppen fehlen entsprechende Studiendaten. Dennoch wird man entscheiden müssen, ob man in Ihrem Fall nicht mit ASS oder Clopidogrel alleine behandeln kann. Wir gehen davon aus, dass die Frage des Verschlusses dieses PFO schon diskutiert wurde. Solche Entscheidungen hängen auch davon ab, wie groß der Defekt ist und wie stark der Fluss über das Foramen ovale sich in der transösophagealen Echokardiographie darstellt. Das ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, bei der die Ultraschallsonde über die Speiseröhre (Ösophagus) bis auf Herzhöhe vorgeschoben wird (Schluckecho). Alles Gute für Sie. 

Experte