Interview

Der neue Geschäftsführer der Herzstiftung im Interview

Friso Janßen spricht über seine Schwerpunkte und darüber, was ihm für Betroffene besonders wichtig ist

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Mit Friso Janßen hat die Deutsche Herzstiftung einen neuen Geschäftsführer. Im Interview spricht er darüber, was ihn an der Aufgabe besonders reizt, welche Schwerpunkte er setzen möchte und warum ihm Prävention, Patientennähe und verlässliche Informationen besonders wichtig sind. Lernen Sie den neuen Geschäftsführer der Herzstiftung näher kennen oder verfolgen Sie das Gespräch direkt als Podcast oder Video.

Sie haben Gesundheits- und Pflegemanagement studiert und waren zuletzt als Regionalgeschäftsführer bei Unternehmen im Gesundheitssektor tätig. Was hat Sie an der Deutschen Herzstiftung überrascht, als Sie sich näher mit ihr beschäftigt haben?

Friso Janßen: Was mich am meisten überrascht hat, war tatsächlich, wie groß die Deutsche Herzstiftung ist. Wenn man nicht direkt im Krankheitsfall mit ihr in Kontakt kommt, kann man die Dimensionen nicht wirklich überschauen. Als ich mich mit der Reichweite beschäftigt habe, war ich sehr erstaunt – und dann habe mich letztlich auch so intensiv mit der Deutschen Herzstiftung auseinandergesetzt, dass ich komplett von dem Konzept überzeugt war und es kein Zurück mehr gab.

Als Sie sich entschieden haben, die Aufgabe als Geschäftsführer anzunehmen: War das eine Kopfentscheidung – oder hatte Ihr Herz längst Ja gesagt?

Janßen: Das war tatsächlich eine Herzentscheidung. In der Vergangenheit ging es bei mir viel um betriebswirtschaftliche Themen – auch um Geld, was natürlich wichtig ist. Aber ich bin ein Sinnsucher, ich brauche einen Sinn in der Tätigkeit. Das habe ich bei der Deutschen Herzstiftung sofort wahrgenommen. Je intensiver man sich mit der Herzstiftung auseinandersetzt, stellt man fest: Da arbeiten Menschen mit großem Engagement. Und ich darf in dieser Rolle mit den Menschen zusammen weiterarbeiten, die hier schon Großartiges aufgebaut haben, und Herzensthemen weiter vorantreiben.

Gerade diese Basis war für mich entscheidend. In früheren Rollen habe ich häufig viel Aufbauarbeit leisten dürfen, um Menschen eine Perspektive zu bieten – das macht mir Spaß. Aber es ist auch schön, in eine Organisation zu kommen, in der viele Menschen bereits genau wissen, was sie tun und einen festen Platz haben. Ich bin sehr daran interessiert, das weiter so zu führen – ganz im Sinne, wie Herr Vestweber das in den über 20 Jahren zuvor aufgebaut hat, nämlich Menschen zu vernetzen und an gemeinsamen Ziel zu arbeiten.

Ruth Ney und Friso Jannsen im Podcast-Gespräch

Im Mittelpunkt der Herzstiftung stehen die Mitglieder. Was ist Ihnen im Umgang mit ihnen besonders wichtig? Mit welchem Gefühl sollte zum Beispiel ein besorgter Patient nach einem Anruf bei der Herzstiftung auflegen?

Janßen: Wenn ich bei der Deutschen Herzstiftung anrufe, habe ich vermutlich ein konkretes Anliegen: Ich möchte etwas geklärt haben, eine medizinische Frage beantwortet bekommen. Dann wünsche ich mir, dass das Mitglied hinterher sagt: Man hat mir zugehört, ich habe das Gefühl gehabt, man hat mich ernst genommen. Denn ich glaube, wir erleben heutzutage zu häufig, dass Menschen nicht ernst genommen werden mit ihrem Leid und ihren Bedürfnissen. 

Neben dem Bedürfnis geht es außerdem um den Bedarf: Welche Perspektive kann man dem Mitglied mitgeben, sodass es gut informiert und gut ausgestattet seinen Weg bewältigen kann. Letztlich sollte der Anrufer also mit einem Gefühl aus dem Gespräch gehen sowohl fachlich gut informiert worden, aber auch ganz persönlich abgeholt worden zu sein.

Als eine Organisation, die unabhängig ist von Geldern aus der Pharmabranche und Medizingeräteindustrie, kommt es der neben den Mitgliedsbeiträgen auch auf Spenden an.  Wenn nun ein neuer Spender vor der Tür stünde und ein Herzensprojekt hören möchte, die ihn zum Spenden anregt und das Sie gerne vorantreiben werden – was könnten Sie sich gut vorstellen?

Janßen: Aus meiner Sicht sollte es etwas sein, das junge Leute betrifft, also eine Zielgruppe zwischen 18 und 30 Jahren mit Menschen, die vielleicht neu ins Berufsleben gestartet sind und schon ein entsprechendes Stresslevel haben. Dann geht es um Themen wie: Wie halte ich mich gesund, wie sorge ich für ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung oder komme vom Rauchen weg. Näher kann ich das Projekt jetzt natürlich nicht beschreiben, weil es so ja noch nicht existiert. Aber ein präventives Projekt sollte es auf jeden Fall sein. Eines, wo man operativ etwas tun kann. das heißt: Veranstaltungen durchführen, Zielgruppen an Orten aufsuchen, an denen die Zielgruppe häufig anzutreffen ist – zum Beispiel am Arbeitsplatz bei großen Arbeitgebern – und klare Impulse setzen.

Prävention bedeutet: informieren, beraten und dafür sorgen, dass Krankheit erst gar nicht entsteht. Wenn man sich anschaut, wie viel Geld bei uns ins Gesundheitssystem zwar in Prävention gesteckt wird, aber wie vergleichsweise schlecht wir im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern sind, dann ist das eine klare Aufgabe der Deutschen Herzstiftung, diese Lücke gut zu füllen.

Das dritte – zunehmend wichtige Standbein der Herzstiftung – ist die Forschungsförderung. Wie wollen Sie hier die Herzstiftung als Patientenorganisation und Förderin zukunftsfest machen?

Janßen: In der Forschungsförderung müssen wir weiter dafür sorgen, dass wir finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Das gelingt, wenn wir Reichweite erzielen und Menschen von uns begeistert sind und bereit sind, entsprechende Förderung zu ermöglichen. Wichtig ist auch, dass wir Prozesse integrieren, damit Forschungsförderung nicht so lange braucht – dass Anträge schnell bearbeitet werden. Das Schlimmste wäre, Geld zu haben und es nicht ausgeben zu können. Da wird bereits stark dran gearbeitet. Denn ohne Forschung geht es nicht: Aktuelle Probleme müssen in der Zukunft gelöst werden. Es gibt viele junge Ärzte mit tollen Ideen, die an Grenzen stoßen würden, wenn wir nicht da wären, um sie zu fördern. 

In der Vergangenheit wurden die Gelder, die die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Stiftung für Herzforschung zur Verfügung stellen, immer weiter erhöht – der Anspruch ist, dass wir noch mehr Geld zur Verfügung stellen können – dazu müssen wir weiter stabil aufgestellt sein –, sodass Forschung möglich ist, die den Herzpatienten zugutekommt.

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Jetzt würden wir gerne auch noch ein wenig mehr über die Person Friso Janßen erfahren. Haben Sie ein gesundes Ritual, um Ihr Herz fit zu halten – gerade in stressigen Momenten?

Janßen: Das, was mein Herz am fittesten hält und am meisten dazu beiträgt, dass ich zur Ruhe komme, ist definitiv meine Familie. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Wenn ich mich mal aus dem Alltag rausziehen und auf die Familie konzentrieren kann, dann gibt mir das tatsächlich sehr viel Kraft und trägt hoffentlich dazu bei, dass ich gesund bleibe. 

Das andere ist Sport: Ich bin begeisterter Fußballer – nicht der beste Fußballer, aber das Machen zählt. Wenn man regelmäßig auf dem Platz steht und anderthalb Stunden überlegt, wie man den nächsten Pass spielt, schaltet das den Kopf aus und trägt dazu bei, dass man entspannter ist für die Aufgaben, die vor einem stehen.

Was haben Sie persönlich auf jeden Fall mit in Ihr neues Büro genommen?

Janßen: Das sind zwei Dinge: Erstens ein Bild meiner Familie – die hätte ich gern dabei. Und zweitens ein Mauspad von Borussia Dortmund, das ich mal geschenkt bekommen habe. Hier muss ich mich wohl outen: Ich bin ein großer Fan vom BVB. Und das Pad habe ich vom Team an einer früheren Arbeitsstelle überreicht bekommen – das hat einen entsprechenden Wert. Das nehme ich auf jeden Fall mit.

Ein kleiner Blick in die Zukunft: Wenn wir in drei Jahren wieder zusammensitzen: Was soll bis dahin passiert sein, damit man sagt „Das war der richtige Mann im richtigen Augenblick“?

Janßen: Mir ist wichtig, dass man in drei Jahren bei den Menschen hier im Hause nach wie vor wahrnimmt, dass man zufrieden ist mit der Arbeit. Zufriedenheit kann man nicht messen, das spürt man – und sie trägt dazu bei, dass man bereit ist, die Extrameile zu gehen, für die Menschen, für die wir da sind. Dann hätte ich gern, dass wir uns weiterentwickeln in den Bereichen Social Media, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz – und darüber einen Weg gefunden haben, die richtigen Dinge für die Deutsche Herzstiftung zu tun, um Reichweite zu erzielen und so Menschen mit unseren Angeboten unterstützen können. Und das Dritte: Die Gesellschaft altert – dadurch werden wir in Zukunft automatisch wichtiger für Menschen mit Herzerkrankungen. Schön wäre es, dass wir gleichzeitig eine größere Anzahl an Personen gewinnen, die dann auch die Herzstiftung unterstützt. 

Gleichermaßen möchte ich das Thema Prävention voranbringen: In drei Jahren möchte ich feststellen, dass auch der Altersschnitt derer, die bereit sind, in der Deutschen Herzstiftung mitzuwirken, gesunken ist – und dass wir als junge, aktive, attraktive Organisation wahrgenommen werden. 

Inwieweit das alles nach drei Jahren schon möglich ist, kann ich natürlich noch nicht beurteilen. Aber es wäre schön, wenn wir uns unterhalten und feststellen: Da geht es genau in diese Richtung, da ist überall bereits etwas passiert.

Die Fragen stellte Medizinredakteurin Ruth Ney, 

Bild von Friso Janßen

Zur Person Friso Janßen

Friso Janßen, 41 Jahre ist ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger. Nach dem Studium im Bereich Gesundheits- und Pflegemanagement war er in mehreren Leitungsfunktionen in der Altenhilfe tätig. Darauf folgten Positionen als regionaler Vertriebsleiter, Regionalmanager und -geschäftsführer in Unternehmen im Gesundheitssektor. 

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