Nach den derzeit gültigen Leitlinien werden Antiarrhythmika der Klasse 1C (Wirkstoffe sind etwa Flecainid, Propafenon) zum Erhalt des normalen Herzrhythmus (=Sinusrhythmus) bei Patienten mit Vorhofflimmern empfohlen. Es ist allerdings nicht bekannt, wie sich diese Therapie langfristig auf die Lebenserwartung, die Häufigkeit von Schlaganfällen und von einer Herzinsuffizienz auswirkt.
Um diese Fragen zu prüfen, haben Wissenschaftler aus den USA in einer Arbeit systematisch den Verlauf der Rhythmusstörung von über 100.000 Patienten im Mittel über fünf Jahre nachverfolgt.
Rhythmus- oder Frequenzkontrolle?
In der Untersuchung wurden Daten aus dem klinischen Alltag von Menschen mit Vorhofflimmern verglichen. Diese erhielten entweder eine medikamentöse Rhythmuskontrolle mit Klasse‑1C‑Antiarrhythmika (Flecainid oder Propafenon) oder wurden nach dem Prinzip der Frequenzkontrolle behandelt.
Ziel der Rhythmuskontrolle ist es, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen und zu stabilisieren. Mit der Frequenzkontrolle wird vor allem der bei Vorhofflimmern zu schnelle Herzschlag/Puls beruhigt.
Insgesamt erhielten in der Patientengruppe nur fünf Prozent eine antiarrhythmische medikamentöse Therapie zur Kontrolle des Herzrhythmus – davon 70 Prozent den Wirkstoff Flecainid. 70 Prozent der Patienten wurden nur frequenzkontrollierend behandelt. Patienten in der Rhythmus-Kontrollgruppe hatten insgesamt weniger kardiovaskuläre Risikofaktoren, weniger Begleiterkrankungen, weniger schwerwiegende Herzerkrankungen und waren jünger.
Für die Auswertung der Daten nach im Durchschnitt fünf Jahren wurde eine große Zahl von individuellen Patienteneigenschaften berücksichtigt wie Alter, Geschlecht, Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, hoher Blutdruck. Die Wissenschaftler erfassten zudem, wie viele Patienten inzwischen gestorben waren und wie häufig es zu Krankenhausaufnahmen wegen kardiovaskulärer Ereignisse wie Schlaganfall oder Herzinsuffizienz gekommen war.
Geringere Sterblichkeit und weniger Schlaganfälle
Die Wissenschaftler errechneten: Patienten, die ein Klasse‑1C‑Antiarrhythmikum erhielten, hatten ein merklich geringeres Risiko zu sterben als vergleichbare Patienten unter Frequenzkontrolle (14 versus 19 %). Die Häufigkeit von stationären Aufnahmen wegen Schlaganfall war in der Rhythmus-Kontrollgruppe ebenfalls niedriger (3,6. versus 4,8 %). Das Risiko dafür war um 19 Prozent reduziert. Und: Die Häufigkeit von stationären Aufnahmen wegen Herzinsuffizienz war - vor allem in der Gruppe der 65- bis 80-jährigen Patienten - niedriger, ebenso die Häufigkeit schwerwiegender Blutungen.
Die positiven Effekte waren allerdings nicht bei allen Patienten gleich ausgeprägt. Faktoren wie Alter, individuelle Risikofaktoren (z. B. Schlaganfallrisiko) und Begleiterkrankungen beeinflussten den Nutzen der Therapie.
Was bedeuten die Ergebnisse für Patienten mit Vorhofflimmern?
Patienten mit Vorhofflimmern, für die eine medikamentöse Rhythmuskontrolle infrage kommt, können langfristig mit Klasse 1C Antiarrhythmika behandelt werden. Die vorliegende Studie weist zwar methodische Einschränkungen auf, liefert aber zumindest einen Hinweis dafür, dass diese Patienten dann auch bezüglich der Lebenserwartung von der Therapie profitieren.
Ob und wie lange die Therapie mit einem Antiarrhythmikum sinnvoll ist, sollten Betroffene dennoch weiterhin gemeinsam mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.
- Long‐Term Outcomes With Class 1C Antiarrhythmic Drug Use in Atrial Fibrillation; Journal of the American Heart Association, April 2026, https://doi.org/10.1161/JAHA.125.044986
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.
Infomaterial zu Vorhofflimmern
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