Nach den derzeit gültigen Leitlinien zur Behandlung von Vorhofflimmern ist die Katheterablation für bestimmte Patienten die Therapie der ersten Wahl. Das gilt vor allem für noch junge, relativ gesunde Betroffene mit Beschwerden durch die Rhythmusstörung, aber noch seltenen Vorhofflimmern-Episoden. Denn hier zeigt die Katheterablation langfristig die besten Erfolgschancen. Dennoch kehrt bei 20 bis 40 Prozent der Patienten nach initial erfolgreicher Katheterablation das Vorhofflimmern zurück.
Bisher standen Ärzte wie auch die Betroffenen vor der schwierigen Entscheidung, ob dann eine weitere Katheterablation oder eine antiarrhythmische Therapie zum Einsatz kommen soll. Denn diese Frage konnte auf Basis wissenschaftlicher Daten mit langer Nachbeobachtungszeit nicht eindeutig beantwortet werden. Eine neue Studie liefert nun hilfreiche Erkenntnisse. Die Auswertung deutet darauf hin, dass eine erneute Ablation langfristig mit weniger Krankenhausaufenthalten, weniger Herzschwäche-Episoden und einer niedrigeren Sterblichkeit verbunden sein könnte.
So wurden die Vorhofflimmern-Patienten behandelt
Für die Studie werteten die Forschenden die medizinischen Daten von rund 130 Mio. Patienten großer Krankenkassen mittels eines speziellen Computerprogramms aus. Sie fanden darunter rund 4.000 Erwachsene, bei denen nach einer ersten Katheterablation erneut – Abstand wenigstens drei Monate – symptomatisches Vorhofflimmern aufgetreten war und bei denen eine Behandlung erforderlich war. Der entscheidende Punkt war dann der weitere Verlauf von Patienten, bei denen erneut eine Katheterablation durchgeführt wurde im Vergleich zu den Patienten, die eine medikamentöse antiarrhythmischen Therapie erhielten. Am häufigsten verschrieben wurde dazu das Antiarrhythmikum Amiodaron (49,7 %). Weitere Antiarrhythmika waren: Flecainid (28,6 %), Sotalol (16,6 %), Dronedaron (6,3%), Propafenon (5,7 %), Disopyramid (0,3 %) und Chinidin (0,3 %).
Insgesamt unterzogen sich von den Patienten mit einem Vorhofflimmern-Rezidiv 699 (17 %) einer erneuten Katheterablation, 3.357 (83 %) erhielten Antiarrhythmika. Das mittlere Alter der Patienten lag bei knapp 70 Jahren, zwei Drittel waren Männer, ein Drittel Frauen.
Im Verlauf der nächsten Jahre (bis zu fünf) wurde erfasst, wie viele Patienten in der jeweiligen Gruppe starben, wie oft eine Krankenhausaufnahme notwendig wurde, bei wie vielen sich die Herzleistung verschlechterte und wie häufig ein Schlaganfall und schwere Blutungen auftraten.
Klarer Vorteil für erneute Katheterablation
Nach fünf Jahren zeigten sich deutliche Unterschiede zugunsten der wiederholten Ablation:
- Die Sterblichkeit lag bei 3,3 Prozent nach erneuter Ablation und bei 8,2 Prozent unter medikamentöser Therapie.
- Krankenhausaufenthalte waren mit 42,8 Prozent deutlich seltener als in der Antiarrhythmika-Gruppe (56,4 Prozent).
- Eine Verschlechterung einer Herzschwäche trat bei 12,5 Prozent der Patienten nach erneuter Ablation auf, aber bei 24,8 Prozent unter medikamentöser Behandlung.
Bei der Häufigkeit von Schlaganfällen und Blutungskomplikationen bestand zwischen beiden Behandlungsgruppen kein relevanter Unterschied.
Wie sind die Ergebnisse einzuordnen?
Nach den Ergebnissen dieser rückblickenden Analyse von Versorgungsdaten bietet die erneute Katheterablation bei einem Rezidiv von Vorhofflimmern langfristig entscheidende Vorteile gegenüber einer antiarrhythmischen Therapie. Die Autoren vermuten, dass eine erneute Ablation Vorhofflimmern wirksamer unterdrücken und dadurch Folgeschäden am Herzen verhindern könnte. Werde der normale Herzrhythmus dauerhaft stabilisiert, senke dies insbesondere das Risiko für Krankenhausaufenthalte und für das Fortschreiten einer bestehenden Herzschwäche.
Diese Schlussfolgerung wäre allerdings überzeugender, wenn sie nicht auf Daten aus Patientenakten beruhen würden, sondern auf Daten einer prospektiven randomisierten Studie. Das heißt, wenn im klinischen Alltag Patienten nach einem erneuten Vorhofflimmern zufällig ausgewählt einer der beiden Behandlungsoptionen zugewiesen und dann nach einer gewissen Zeit die Behandlungsergebnisse verglichen würden. Es ist jedoch fraglich, ob sich eine solche Studie angesichts dieser Ergebnisse heute noch durchführen lässt.
- Management of recurrent atrial fibrillation after catheter ablation; Europace September 2026; https://doi.org/10.1093/europace/euag215
Experte
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Prof. Dr. med. Thomas Meinertz ist Kardiologe und Pharmakologe in Hamburg. Zu den Schwerpunkten des ehemaligen Vorsitzenden der Herzstiftung und langjährigen Direktors der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Angiologie des Universitären Herzzentrums Hamburg zählen insbesondere Herzrhythmusstörungen, die koronare Herzkrankheit und Herzklappen-Erkrankungen. Neben mehreren hundert wissenschaftlichen Fachpublikationen, die Prof. Meinertz für nationale und internationale Fachzeitschriften verfasst hat, ist der renommierte Kardiologe Chefredakteur der Herzstiftungs-Zeitschrift "HERZ heute" und Autor mehrerer Publikationen im Online-Bereich der Herzstiftung.