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Was unsere Zähne über das Herz verraten

Zahngesundheit und Herzerkrankungen hängen enger zusammen, als viele meinen. Hören Sie mehr im Podcast.

Zahnbürste mit Zahnpastaherz und Zahn
Ahmed/stockadobe (KI-generiert)

Viele Menschen trennen den Körper gedanklich in Fachgebiete: Für das Herz ist der Kardiologe zuständig, für die Zähne der Zahnarzt. Doch Zähne haben mit unserem Herzen viel mehr zu tun, als manch einer denkt. Das verdeutlichen auch die Ergebnisse der 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie. Um den Zusammenhängen einmal etwas näher auf den Zahn zu fühlen, ist in dieser Folge Prof. Rainer Jordan zu Gast. Er ist Direktor des Instituts der Deutschen Zahnärzte in Köln und Studienleiter der Mundgesundheitsstudie. Er erläutert unter anderem im Gespräch, warum Entzündungen im Mund den ganzen Körper beschäftigen und warum insbesondere Herzpatientinnen und Herzpatienten ihre Zahngesundheit und Zahnverluste ernst nehmen sollten. 

Die 6. Mundgesundheitsstudie

Seit über 30 Jahren liefern die Deutschen Mundgesundheitsstudien (DMS) regelmäßig wichtige Erkenntnisse über die zahnmedizinische Versorgung und unterstützen so die zukünftige zahnmedizinische Versorgungsplanung. In der 6. DMS unter Leitung von Prof. Rainer Jordan aus Köln ging es erstmals auch um den Zusammenhang chronischer zahnmedizinischer und allgemeinmedizinischer Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ein wesentliches Ergebnis: Gut ein Viertel der jüngeren Seniorinnen und Senioren wiesen kardiovaskuläre Erkrankungen auf. Damit assoziiert waren Einschränkungen bei der Mundgesundheit. Neben dem bekannten Zusammenhang mit parodontalen Erkrankungen ergab die 6. DMS außerdem, dass Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen häufiger zahnlos sind und denjenigen mit noch vorhandenen Zähnen zwei Zähne mehr fehlen als Seniorinnen und Senioren ohne kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Autoren verweisen darauf, dass damit gleichzeitig zwei funktionstüchtige Zähne fehlen, was Einfluss auf die Lebensqualität hat. 

Das Fazit: Die zahnmedizinische Prävention muss Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen frühzeitig ins Blickfeld nehmen, um diesen gesundheitlichen Ungleichheiten begegnen zu können.

Noch deutlicher war das Ergebnis bei Diabetes: Menschen mit Typ-2-Diabetes hatten der DMS zufolge häufiger schwere parodontale Verläufe und mehr Wurzelkaries, mehr fehlende Zähne und weniger funktionstüchtige Zähne. Der Anteil zahnloser Menschen war bei Typ-2-Diabetes viermal so hoch.

Quelle: https://www.idz.institute/dms6/

Das orale Mikrobiom

Unsere Mundhöhle ist mit mehr als 700 verschiedenen Bakterienarten besiedelt. Sie haften als unsichtbarer Biofilm an allen feuchten Oberflächen. Zusammen mit Viren und Pilzen in der Mundhöhle bilden sie das orale Mikrobiom. Der Mund beherbergt damit nach dem Darm die zweitgrößte mikrobielle Gemeinschaft des Körpers.

Besonders viele Keime sitzen dabei auf der Zunge, aber auch in den Zahnzwischenräumen, in Zahnfleischtaschen und auf den Zahnoberflächen als Zahnbelag (Plaque). Zudem tummelt sich eine Vielzahl von Mikroorganismen im Speichel. Ähnlich wie im Darm kommt es auf die Balance zwischen guten und schlechten Bakterien an. 

Viele Arten sind nützlich. Sie wehren Erreger ab, helfen bei der Verdauung und stärken das Immunsystem. Einige wenige Arten (wie Streptococcus mutans) ernähren sich von Zucker. Sie erzeugen Säure und verursachen Karies oder Zahnfleischentzündungen. Bei zahnärztlichen Eingriffen und kleinen Wunden sowie beim Zähneputzen oder Kauen können zudem orale Mikroorganismen in die Blutbahn gelangen. 

Normalerweise ist das kein Problem. Doch bei Patienten mit bestimmten Risikofaktoren, etwa einem Ersatz der Herzklappen, können sich bestimmte Bakterienarten dann an der Herzinnenwand (Endokard) und an den Herzklappen festsetzen und vermehren, was zu einer Entzündung führt. Eine gefährliche, mitunter tödlich endende Endokarditis ist dann die Folge.

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Redaktion

Ruth Ney
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