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S3-Leitlinie zu Vorhofflimmern: Was bedeutet sie für Betroffene?

Frühe Rhythmuskontrolle und eine rechtzeitige Katheterablation können dazu beitragen, das Risiko zu verringern, dass Vorhofflimmern fortschreitet.

 Arzt hoert Hertoene mit dem Stethoskop beim Patienten
AdobeStock / Anucha

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und kann das Risiko für Schlaganfälle, Herzschwäche und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Die erste deutsche S3-Leitlinie zu Vorhofflimmern bringt wichtige Neuerungen für Diagnostik, Behandlung und Prävention mit sich. Für Betroffene bedeutet das vor allem eines: Vorhofflimmern kann und sollte auch früher erkannt werden. Zudem ist es wichtig, dass frühzeitig geprüft wird, welche Behandlungsstrategie für die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten am besten geeignet ist. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Nachfolgend stellen wir die wichtigsten Erkenntnisse der neuen S3-Leitlinie für Betroffene vor.

Was ist eine S3-Leitlinie?

S3-Leitlinien gelten als der höchste Qualitätsstandard medizinischer Leitlinien in Deutschland. Sie unterstützen Ärztinnen und Ärzte dabei, Entscheidungen auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen.

Das Besondere:

  • Evidenzbasiert: Die Empfehlungen beruhen auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Studien.
  • Konsensbasiert: Expertinnen und Experten verschiedener Fachgesellschaften erarbeiten die Empfehlungen gemeinsam und stimmen sie miteinander ab.
  • Aktuell und praxisnah: Die Leitlinien werden regelmäßig überprüft und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Die Empfehlungen basieren auf dem neuesten Stand des medizinischen Wissens und helfen dabei, Behandlungen nach möglichst sicheren und wirksamen Standards auszurichten.

Was bedeutet die neue Leitlinie für Betroffene?

Die neue S3-Leitlinie verfolgt einen klaren Ansatz: Vorhofflimmern soll möglichst früh erkannt werden. Zudem sollte frühzeitig geprüft werden, ob eine Rhythmuskontrolle oder andere Behandlungsmaßnahmen sinnvoll sind. Ziel ist es, zu verhindern, dass aus gelegentlichen Episoden eine dauerhafte Herzrhythmusstörung wird. Gleichzeitig sollen Schlaganfälle, Herzschwäche und Krankenhausaufenthalte möglichst vermieden werden.

Für Betroffene bedeutet das:

  • Vorhofflimmern kann mit Hilfe von modernen Diagnosetools wie Smart Watches früher erkannt werden.
  • Das Schlaganfallrisiko lässt sich individuell beurteilen und behandeln.
  • Moderne Therapien sollen frühzeitig eingesetzt werden.
  • Betroffene werden stärker in Therapieentscheidungen einbezogen.
  • Lebensstilmaßnahmen sind neben der klassischen Therapie ein zentraler Bestandteil der Behandlung.

Vorhofflimmern früher erkennen

Die Möglichkeiten, Vorhofflimmern festzustellen, haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. So können heute Smartwatches und Wearables Hinweise auf Herzrhythmusstörungen liefern und damit oft eine frühzeitige Diagnose erlauben.

Die Leitlinie macht jedoch deutlich: Eine Smartwatch kann Hinweise geben, die Diagnose Vorhofflimmern muss jedoch durch die eine Ärztin oder einen Arzt bestätigt und gesichert werden. Das kann auch auf Basis eines qualitativ guten, per Smartwatch erstellten 30-Sekunden-1-Kanal-EKG erfolgen. Zudem wird empfohlen, Menschen ab 75 Jahren oder Personen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko gezielt auf bislang unentdecktes Vorhofflimmern zu untersuchen.

Bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern soll außerdem ein Herzultraschall (Echokardiographie) durchgeführt werden, um mögliche strukturelle Veränderungen oder Begleiterkrankungen des Herzens frühzeitig zu erkennen.

Schlaganfälle besser verhindern

Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall deutlich. Deshalb gehört die Schlaganfallprävention zu den wichtigsten Bestandteilen der Behandlung.

Die Leitlinie empfiehlt eine individuelle Risikoabschätzung mithilfe des CHA₂DS₂-VA-Scores. Auf Grundlage dieses Scores wird geprüft, ob eine gerinnungshemmende Therapie zur Schlaganfallprävention unter Abwägung eventueller Blutungsrisiken empfohlen wird. Ärztin oder Arzt und Patient entscheiden dabei gemeinsam über die für die individuelle Situation passende Behandlung.

Früher handeln statt abwarten

Eine der wichtigsten Neuerungen der Leitlinie betrifft die „frühe“ Rhythmuskontrolle.

Während früher bei Vorhofflimmern häufig zunächst abgewartet und erst bei zunehmenden Beschwerden behandelt wurde, zeigen aktuelle Studien, dass eine frühzeitige Rhythmustherapie, durch die das Herz wieder in den normalen, regelmäßigen Sinusrhythmus gebracht wird, dazu beitragen kann, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Folgen zu verhindern.

Deshalb empfiehlt die Leitlinie, bereits bei neu diagnostiziertem Vorhofflimmern zu prüfen, ob Maßnahmen zur Stabilisierung des Herzrhythmus sinnvoll sind – entweder mit einer elektrischen Kardioversion, mit Medikamenten oder mit einer Katheterablation. Das gilt auch für manche Betroffene, die nur wenige oder gar keine Beschwerden verspüren. 

Katheterablation erhält höheren Stellenwert

Für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern kann bereits früh im Krankheitsverlauf eine Katheterablation als Behandlungsoption infrage kommen. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine rhythmuserhaltende Therapie angestrebt wird. Ziel ist es, mit der Katheterablation Rückfälle zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Ob eine Katheterablation sinnvoll ist, sollte immer individuell mit der behandelnden Kardiologin oder dem behandelnden Kardiologen besprochen werden.

Mehr als Medikamente: Vorhofflimmern ganzheitlich behandeln

Die neue Leitlinie empfiehlt einen ganzheitlichen Behandlungsansatz (AF-CARE). Dabei steht nicht nur die Herzrhythmusstörung selbst im Mittelpunkt. AF steht dabei für den englischen Begriff für Vorhofflimmern „atrial fibrillation“.

Zum modernen Therapiekonzept gehören:

  • Begleiterkrankungen und Risikofaktoren behandeln, beispielsweise Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes, Übergewicht oder Schlafapnoe. (Co-Morbiditäten)
  • Schlaganfälle vorbeugen, indem das persönliche Risiko bewertet und gegebenenfalls eine gerinnungshemmende Therapie eingesetzt wird. (Avoid = vermeiden)
  • Beschwerden und Belastungen durch Vorhofflimmern reduzieren, etwa durch Medikamente oder eine Katheterablation. (Reduce = verringern)
  • Regelmäßige Kontrollen, um den Behandlungserfolg zu überprüfen und die Therapie bei Bedarf anzupassen. (Evaluation = Prozesskontrolle)

Mit dem Lebensstil den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen

Die neue Leitlinie betont ausdrücklich, dass Betroffene selbst viel zum Behandlungserfolg beitragen können. Die Behandlung von Risikofaktoren wird dabei nicht mehr nur als ergänzende Maßnahme betrachtet, sondern als wichtiger Bestandteil der Therapie. Diese Maßnahmen können dazu beitragen, das Auftreten neuer Vorhofflimmer-Episoden zu reduzieren und die Wirksamkeit der Behandlung zu unterstützen.

Besonders wichtig sind:

  • regelmäßige körperliche Aktivität (auch in Form strukturierter Bewegungsangebote, beispielsweise Herzsportgruppen),
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
  • Rauchverzicht,
  • ein bewusster Umgang mit Alkohol (möglichst sogar Verzicht),
  • eine gute Blutdruckeinstellung sowie
  • die Abklärung und Behandlung einer möglichen Schlafapnoe.

Gemeinsam entscheiden

Ein weiterer Schwerpunkt der Leitlinie ist die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient („Shared Decision Making“). Betroffene sollen umfassend über Nutzen, Risiken und Alternativen verschiedener Behandlungsmöglichkeiten informiert werden. Dazu gehören beispielsweise die Entscheidung für oder gegen eine Blutverdünnung, eine medikamentöse Rhythmustherapie oder eine Katheterablation.

So können persönliche Wünsche, Lebensumstände und individuelle Behandlungsziele stärker berücksichtigt werden.

geöffnete Ansicht der Patientenleitlinie Vorhofflimmern

Die Empfehlungen verständlich erklärt

Die Deutsche Herzstiftung und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) haben auf der Basis dieser ärztlichen Empfehlungen die Patientenleitlinie „Vorhofflimmern – verstehen, behandeln, mitwirken“ erstellt. Sie übersetzt die medizinischen Empfehlungen der S3-Leitlinie in verständliche Informationen für Betroffene.

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Expertin

Dr. Julia Vogler
Bild von Dr. Julia Vogler

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  1. – Frühe Rhythmuskontrolle und frühzeitige Ablation sollen dazu beitragen, dass ein gelegentliches Vorhofflimmern nicht zur Dauererscheinung wird.
  2. Vorhofflimmern lässt sich in vielen Fällen mit einer Katheterablation beseitigen. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier.
  3. Wie bleibt mein Herz gesund? Die Deutsche Herzstiftung zeigt Ihnen, was Sie selbst für Ihre Herzgesundheit tun können und worauf Sie achten sollten.